Auf das Fellini an der Zülpicher Straße bin ich über ein Video mit Restaurantempfehlungen für Köln gestoßen, seitdem stand es auf meiner Liste. Abends soll es schwierig sein, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Als wir an einem Freitag Ende September zu zweit kurzfristig einen Platz zum Mittagessen suchten, habe ich es deshalb einfach versucht: Anruf kurz nach zwölf, eine sehr freundliche Dame am Telefon, ein Tisch für zwei. Auf meine Frage, ob wir unseren Hund mitbringen dürfen, kam ein ebenso freundliches Ja. Rund zwanzig Minuten später waren wir da.
- Ort: Fellini, Zülpicher Straße 327, Köln-Sülz.
- Atmosphäre: Klassisch-elegantes Ristorante mit großen Fensterfronten, cremeweißen Stofftischdecken und Federico Fellini an den Wänden.
- Essen: Italienische Karte auf der Kreidetafel, Antipasti von 17,50 bis 26,50 Euro, Pasta und Risotto von 23,50 bis 39,50 Euro, Hauptgerichte von 27 bis 55,50 Euro.
- Wein: Rein italienische Flaschenkarte ab 32,50 Euro, kleine offene Auswahl zu 13,50 Euro pro Glas.
- Passt für: Ein ausgedehntes Mittagessen mit klassischer italienischer Küche, gern auch mit Hund.
Klassisch-elegant und mittags voller Licht
Das Fellini ist ein klassisch-elegantes Ristorante, gemütlich eingerichtet und zur Mittagszeit angenehm hell, weil durch die großen Fensterfronten viel Licht auf die Tische fällt. Eingedeckt ist mit doppelten, cremeweißen Stofftischdecken, gerollten Servietten und hochwertigen Weingläsern. Den Namensgeber trifft man an den Wänden: eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Federico Fellini hinter der Kamera, im großen Spiegel gegenüber das Plakat zu seinem Film „Amarcord”. Auf einem Sideboard stehen italienische Rotweine in einer Reihe, darunter ein Tignanello samt Holzkiste.
Service: Wasser für den Hund, Erklärungen vom Chef
Kaum saßen wir, wurden wir nach unseren Getränken gefragt, und man zeigte uns die aktuelle Karte, die im Fellini auf einer Kreidetafel steht. Für unseren Hund wurde gleich Wasser angeboten. Kurz nach uns kam der Chef ins Haus, begrüßte uns freundlich und ging die Gerichte der Tafel ausführlich mit uns durch. Bei einer handgeschriebenen Karte mit knappen italienischen Namen hilft das.
Zum Essen fragte ich nach den offenen Weinen und nach einer Empfehlung für unsere beiden Hauptgänge. Die bekamen wir, je einen Wein pro Gang. Wie viel ins Glas kommt und was ein Glas kostet, wurde dabei nicht gesagt. Die Weinkarte ließ ich mir zusätzlich bringen, weil ich gern sehe, was es neben den offenen Weinen noch gibt, und weil eine Karte oft mehr über die offenen Weine verrät als die kurze Ansage am Tisch.
Die Küche: Ein Kalbsragout mit Klasse
Bestellt hatten wir die Parmigiana di melanzane als geteilte Vorspeise, die Casarecce al ragù di vitello und das Filetto Angus Fellini. Nach kurzer Wartezeit kam zuerst ein sehr schön angerichteter Gruß aus der Küche: Aubergine mit wildem Spinat aus Sizilien, dazu Olivenöl aus Apulien und frisches Brot.
Die Parmigiana brachte die Küche gleich auf zwei Teller verteilt, schön angerichtet und geschmacklich sehr gut. Sie war deutlich weniger fettig, als man es von Parmigiana di melanzane manchmal kennt, mit angenehmer Textur und schön cremigem Käse.
Die Casarecce kamen als ordentliche Portion, dazu eine große Schüssel frisch geriebener Parmesan. Die Nudeln hatten genau den richtigen Biss, weder zu hart noch zu weich, und das Kalbsragout war große Klasse. Für mich war es das stärkste Gericht des Mittags, rundum gelungen, mit viel Geschmack und viel Harmonie.
Das Filetto Angus Fellini kam mit zweierlei Sauce, einer dunklen und einer hellen, dazu eine Schale gedünsteter Brokkoli, Möhre, Spinat und Kartoffel. Das Fleisch war sehr zart, zurückhaltend gesalzen und insgesamt stimmig. Für 41,50 Euro geht das für mich in Ordnung, überragend war es nicht.
Obwohl wir danach schon ziemlich satt waren, wollten wir noch ein Dessert probieren. Die hausgemachten Desserts klangen alle gut, wir teilten uns das Tiramisu. Es war sehr cremig und trug eine dicke Schicht Kakao, die Biskuits waren allerdings kaum durchtränkt, als hätte sich alles noch nicht richtig verbunden. Am Abend sei es noch besser, meinte der Chef. Darauf warten konnten wir nicht, und auch so war es sehr lecker, für unseren Geschmack nur nicht ganz auf dem Punkt. Ein schöner Abschluss für ein gutes Mittagessen war es trotzdem.
Die Weinkarte: Italien von Südtirol bis Sizilien
Die Weinkarte ist durchgehend italienisch, was zum Haus passt: 19 Weißweine, zwei Rosés und 14 Rotweine, von Südtirol und dem Friaul über Piemont, Venetien und die Toskana bis nach Kampanien, Apulien und Sizilien. Zu jeder Position stehen Rebsorte und eine kurze Beschreibung, das erleichtert die Wahl. Die Flaschen beginnen bei 32,50 Euro und reichen bis 290 Euro für den Guado al Tasso aus Bolgheri. Dazwischen finden sich Klassiker wie der Barolo Monfalletto von Cordero di Montezemolo oder Braidas Bricco dell’Uccellone für 120 Euro, zu dessen Jahrgang 2017 es eine Verkostungsnotiz gibt.
Die offenen Weine: Empfehlungen des Hauses
Die offene Auswahl ist überschaubar. Zum Filet empfahl das Haus den Nero d’Avola „Feudi Branciforti dei Bordonaro” 2024 von Firriato aus Sizilien, zur Pasta den „Il Bianchetto” Sauvignon Trevenezie 2025 von Sacchetto aus Venetien. Beide stehen auch als Flasche auf der Karte, als günstigster Rotwein und günstigster Weißwein.
Der Nero d’Avola passte einigermaßen zum Filet, überzeugte mich aber weder für sich noch in der Kombination. Er ist fruchtbetont, ohne besondere Balance, mit einer leichten Tendenz ins Alkoholische und einer säuerlichen Nuance. Als einfacher Wein lässt er sich trinken, vom Hocker gehauen hat er mich nicht. Zum Filet hätte ich einen strukturierteren Rotwein gewählt, wollte bei der kleinen offenen Auswahl aber bewusst der Empfehlung des Hauses folgen.
Der Sauvignon wirkte für sich wie ein ordentlicher Weißwein. In der Nase zeigte er eine sehr kräftige, klassische Sauvignon-Aromatik mit eher warmen, reifen Noten, neben Grapefruit kam auch Exotik durch. Im Abgang verlor er leider und wirkte dort wenig balanciert, insgesamt ein solider Wein ohne besonderen Glanz. Zum Kalbsragout blieb er neutral: Er störte das Gericht nicht, verstärkte aber auch nichts, weder am Wein noch am Essen. Wir hätten zur Pasta eher einen Rotwein gesehen.
Dabei sind zwei Gerichte, die in verschiedene Richtungen gehen, der klassische Fall für offene Weine, so steht es auch im Ratgeber zum souveränen Lesen einer Weinkarte. Umso mehr hängt dann an dem, was offen ausgeschenkt wird.
Die Rechnung: Teuer wurde es beim Wein
Am Ende blieb leider ein ungutes Gefühl. Ich hatte im Kopf überschlagen, was das Essen ungefähr kosten würde, und lag knapp 20 Euro unter dem tatsächlichen Betrag, obwohl ich die Preise der Gerichte bis auf das Dessert kannte. Wir zahlten 128 Euro für eine Vorspeise, zwei Hauptgänge, ein Dessert, eine Flasche Mineralwasser und zwei Gläser Wein.
Überrascht haben mich die Gläser: 13,50 Euro pro Glas. Eine Ausschankmenge wurde nie genannt, und eines der beiden Gläser war nicht einmal mit 0,2 Litern gefüllt. Für Weine dieser Qualität ist mir das zu viel. Beide habe ich hinterher im Onlinehandel für unter 6 Euro die Flasche gefunden. Fair wären für mich 6,50 Euro pro Glas gewesen, 9 Euro wären die Obergrenze. Verlangt wurde mehr als das Doppelte des fairen Preises. Auch die hauseigene Weinkarte rückt die Glaspreise in ein schiefes Licht: Als ganze Flasche stehen beide Weine dort für 32,50 Euro, unsere zwei Gläser kosteten zusammen 27 Euro.
Schade, denn der Besuch hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Freundlicher Service, ein angenehmes Ambiente und sehr gutes Essen treffen hier auf mittelmäßige offene Weine, und dafür war mir das Mittagessen unterm Strich zu teuer.
Für wen passt das Fellini?
Das Fellini passt für ein ausgedehntes Mittagessen mit klassisch italienischer Küche, wenn der Rahmen etwas feiner sein darf: Stofftischdecken, gute Gläser und ein Chef, der sich Zeit für die Karte nimmt. Unser Hund war willkommen, und an unserem Freitagmittag bekamen wir auch kurzfristig einen Tisch. Von der Tafel würde ich die Casarecce al ragù di vitello empfehlen.
Beim Wein lohnt ein anderer Weg als unserer: Wer zu zweit in eine ähnliche Richtung trinkt, bestellt besser eine Flasche von der Karte, und wer glasweise trinken will, fragt vorher nach dem Preis. Wer vor allem unkompliziert italienisch essen und dabei günstig glasweise trinken möchte, ist ein Veedel weiter in der Trattoria Riviera in Klettenberg gut aufgehoben.
Eigentlich wäre ich definitiv wiedergekommen, auch in dem Wissen, dass das Fellini nicht günstig ist. Der Preisschock am Ende macht mich aber unentschlossen. In nächster Zeit werde ich wohl eher andere Restaurants ausprobieren, als dem Fellini gleich eine zweite Chance zu geben. Wenn es sich anbietet, würde ich es aber noch einmal besuchen.
Das Fellini in Sülz verbindet einen klassisch-eleganten Rahmen mit freundlichem Service und einer Küche, die vom Gruß aus der Küche bis zur Pasta überzeugt hat, allen voran mit dem Kalbsragout. Die offene Weinauswahl ist klein, die empfohlenen Weine blieben mittelmäßig, und die Glaspreise stehen dazu in keinem guten Verhältnis. Wer hier Wein trinkt, schaut besser zuerst auf die Flaschenkarte.



