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Braida Bricco dell'Uccellone 2017: Was fünf Jahre mit einem Barbera machen

Verkostungsnotiz zum Bricco dell'Uccellone 2017 von Braida: ein Barbera d'Asti, 2021 am Weingut gekauft und fünf Jahre später zu Backofenhähnchen geöffnet.

Flasche Braida Bricco dell'Uccellone 2017 mit lesbarem Etikett, daneben Korken, Kapsel und Kellnermesser auf einem lilafarbenen Tisch

Fünf Jahre lagen zwischen Kauf und Korkenzieher. Im September 2021 stand ich auf einer Piemont-Reise bei Braida in Rocchetta Tanaro und habe den Bricco dell’Uccellone 2017 für 49 Euro ab Hof mitgenommen. Schon damals hat der Wein nach sehr viel geschmeckt, und man hätte ihn ohne schlechtes Gewissen am selben Abend trinken können. Geöffnet habe ich ihn jetzt in Basel, zu provenzalischem Backofenhähnchen auf Gemüse und Kartoffeln.

Bei einer solchen Flasche interessiert mich vor allem eine Frage: Hat das Warten etwas gebracht?

Kurz & Knapp
  • Wein: Braida, Bricco dell'Uccellone, 2017, Barbera d'Asti DOCG, Piemont; Barbera
  • Stil: Sehr voller, stark extrahierter Rotwein mit eingebundener Säure und würziger Tiefe.
  • Preisbereich: 49 Euro, im September 2021 direkt am Weingut gekauft.
  • Passt für: Braten, Schmorgerichte und ein Käsebrett im Anschluss.
  • Passt eher nicht für: Abende, an denen ein leichter, gekühlter Rotwein gesucht ist.

Was Braida aus Barbera gemacht hat

Barbera kennen die meisten als unkomplizierte Rebsorte: viel Säure, wenig Tannin, gut gekühlt zur Pizza. Der Bricco dell’Uccellone kommt aus derselben Appellation, der Barbera d’Asti DOCG, ist aber ganz anders gebaut: dicht, dunkel, mit spürbarer Extraktion und einer Struktur, die einen Braten aushält.

Der Name gehört zu einer Lage. „Bricco“ bezeichnet im Piemont den Kamm oder die Kuppe eines Hügels, also die obere Parzelle, die traditionell als die bessere gilt. Gemacht hat den Wein Giacomo Bologna, und das Ergebnis zeigt, wie viel in dieser Rebsorte steckt. Abgefüllt wird in Rocchetta Tanaro, östlich von Asti; das steht auch auf dem Etikett.

Fünf Jahre im Keller

Die Antwort auf die Frage von oben: Der Wein ist gereift, ohne dabei etwas zu verlieren. Zugänglich war er schon am Weingut, und die fünf Jahre haben ihn weitergebracht, statt ihn müde zu machen. Bedingung waren sie nicht.

Für die Praxis heißt das: Wer eine Flasche findet, muss weder warten noch sich beeilen. Der Wein funktioniert in beiden Zuständen, und das ist bei dieser Dichte keine Selbstverständlichkeit.

Was im Glas war

Am Gaumen ist er sehr voll und deutlich extrahiert, mit einer Säurestruktur, die vollständig eingebunden ist und nirgends heraussticht. Im Geschmack stehen süße Kirsche, Blaubeere und Himbeere vorn, darunter liegen würzige Noten. Der Abgang bleibt lange stehen und lädt dazu ein, ihm nachzuspüren, bevor man den nächsten Schluck nimmt.

Rotweinglas mit dunklem Wein auf einem gedeckten Balkontisch, im Hintergrund unscharf eine Form mit Essen und eine Lichterkette
Am Tisch auf dem Balkon: dunkles, dichtes Rot im Glas, dahinter das Essen.

In einer Blindverkostung hätte ich ihn vermutlich in die nördliche Rhône geschickt, zu einem Syrah. Ganz trifft der Vergleich nicht, aber er beschreibt gut, wie viel Dichte und Würze hier im Glas stehen.

Zum Hähnchen und danach zum Käse

Das Backofenhähnchen mit Gemüse und Kartoffeln war der einfachere Teil des Abends. Bratensaft, Kräuter und geröstetes Gemüse bringen genug Substanz mit, um einen Wein dieser Größe zu beschäftigen, und der Barbera hatte an keiner Stelle Mühe.

Interessanter wurde es danach. Auf dem Tisch stand ein Brett mit neun französischen Käsen, von Weichkäse mit Blütenrinde über einen kleinen Rotschmierkäse bis zu gereiftem Hartkäse. Dass ein einzelner Roter mit einer so breiten Auswahl gleichzeitig zurechtkommt, ist selten; beim Apéro am Abend zuvor hatte diese Aufgabe ein reifer, weicher Merlot übernommen. Dass sie hier ein Wein mit deutlich mehr Druck genauso gut löst, hat mich überrascht. Geholfen haben dabei die süße Frucht und die eingebundene Säure: Der Wein hatte an keinem der Käse eine Kante, an der er sich reiben konnte.

Holzbrett mit neun Stücken französischem Käse: Weichkäse mit Blütenrinde, ein halbfester Käse mit dunkler Ader, ein kleiner Rotschmierkäse und mehrere gereifte Hartkäse
Nach dem Hauptgang: neun französische Käse, mit denen der Barbera durchgehend zurechtkam.

KORKLESE-Einordnung

49 Euro ab Hof sind für diesen Wein aus meiner Sicht gut angelegt. Man bekommt einen Barbera mit Dichte, Würze und einem Abgang, der den Abend über anhält, und dazu eine Flasche, die man weder früh öffnen noch lange aufheben muss.

Wer den Stil mag, sollte ihn zu etwas Gebratenem oder Geschmortem stellen und danach das Käsebrett stehen lassen. Der Wein hält beides aus, und die zweite Runde am Käse war an diesem Abend die bessere.

T

Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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