Tapas-Bars gibt es in Köln einige, und die meisten funktionieren nach demselben Prinzip: kleine Schalen, viele Runden, geteilter Tisch. Die La Turista Vermuteria im Mauritiusviertel, mitten in der Innenstadt, gehört auf den ersten Blick in diese Reihe. Wir haben dort am 4. Juli 2026 einen warmen Sommerabend verbracht, zu fünft mit vier Erwachsenen und einem Kind, und uns einmal durch Karte, offene Weine und zwei Flaschen probiert. Eine Sache vorweg: Wir waren an diesem Abend privat eingeladen; mit dem Lokal verbindet uns nichts. Am Urteil ändert das nichts, aber es gehört zur Einordnung dazu.
- Ort: La Turista Vermuteria, Tapas-Bar im Kölner Mauritiusviertel.
- Essen: Klassische spanische Tapas in Tonschalen, in Runden bestellt, geteilt und durchweg gut bis sehr gut.
- Wein: Drei offene Weine (weiß, rosé, rot) für pauschal 6,50 Euro pro 0,15 Liter, interessanter wurde es auf der Flasche.
- Service: Freundlich und anfangs sehr präsent, mit wenig Weinwissen und einem Durchhänger zur Stoßzeit.
- Passt für: Einen geselligen Abend draußen mit Freunden oder Familie, bei dem das Essen den Takt vorgibt.
Empfang und Service
Wir kamen eine knappe halbe Stunde vor unserer Reservierung um 18 Uhr an. Vorgesehen war offenbar ein Tisch drinnen, bei rund 27 Grad fragten wir aber nach einem Platz draußen, und das wurde unkompliziert möglich gemacht. Der Start war rundum angenehm. Wir bekamen einen schönen Platz, die erste Bestellung ging zügig raus, und in der ersten Hälfte des Abends wurde regelmäßig geschaut, ob am Tisch alles passt.
Beim Wein ist der Service schnell am Ende seiner Auskunft. Auf die Frage nach den offenen Weinen hieß es sinngemäß: Es gibt einen trockenen Weiß-, Rosé- und Rotwein aus Spanien. Rebsorten, Jahrgänge oder Regionen waren nicht zu erfahren. Dafür kam sofort das Angebot, alle drei zu probieren, bevor wir uns entscheiden. So gehört sich das, und es fängt einiges auf.
Ab etwa halb acht drehte der Laden auf, ein Großteil der Gäste kam gegen 19 Uhr, und man merkte den Rückstau: Die Runden zwischen neuen Speisen, Getränken und später dem Nachtisch wurden deutlich länger, ein Gericht landete falsch am Tisch, statt eines zusätzlichen Rotweinglases kam ein eingeschenktes Glas offener Rotwein, und auf der Rechnung stand am Ende eine etwas höhere Summe als der vorher genannte Betrag mit Trinkgeld. Nichts davon war böser Wille, der Ton blieb durchgehend freundlich. Es sind die typischen Fehler eines vollen Abends, und man sollte sie einpreisen, wenn man zur Stoßzeit kommt.
Die Tapas: Klassiker in Tonschalen, gut gemacht
Die Karte liest sich wie das Standardrepertoire spanischer Tapas-Bars in Deutschland: Brot mit Alioli, Oliven, Patatas Bravas, Kichererbsen mit Spinat, Albondigas, Kroketten, Gambas, Tumbet, Champignons, Boquerones. Bestellt wird auf einem Zettel, in mehreren Runden, und alles kommt in kleinen Terracotta-Schälchen zum Teilen auf den Tisch.
Genau diese Mechanik macht den Abend aus: viele kleine Runden statt eines Hauptgangs, und der Tisch füllt sich immer wieder neu. Qualitativ lagen alle Tapas für uns zwischen gut und sehr gut, ohne Ausreißer nach unten. Zum Nachtisch gab es Pastel de Nata und ein Schokoküchlein mit flüssigem Kern und Vanilleeis. Beides war in Ordnung, ohne den Tapas den Rang abzulaufen.
Die offenen Weine: Solide Basis, wenig Erzählung
Alle drei offenen Weine kosten pauschal 6,50 Euro für 0,15 Liter. Das ist für dieses Niveau eher selbstbewusst kalkuliert: Keiner der drei war daneben, keiner blieb im Gedächtnis.
Der Weißwein roch leicht nach Kiwi und Stachelbeere, hatte gute Frische und wirkte in sich schlüssig. Wir tippten auf Verdejo oder Sauvignon Blanc, insgesamt war das ein trinkiger Sommerwein ohne besondere Seiten. Der Rosé ging in Richtung Vanille, leichte Himbeere und frische Kirsche, vielleicht ein Tempranillo-Rosé. Er blieb unkompliziert und dürfte für viele genau das Richtige zu so einem Abend sein.
Der offene Rotwein, uns als Rioja angekündigt, war die Enttäuschung des Abends. Die Nase versprach Vanille und Beeren, am Gaumen blieb davon fast nichts: kaum Säure, kaum Tannin, kaum Abgang, als hätte jemand das Aroma stark mit Wasser verdünnt. Dazu kam er deutlich zu warm ins Glas, ein Klassiker, den man in der Gastronomie leider oft erlebt. Wer bei den offenen Weinen bleibt, fährt hier mit Weiß und Rosé besser.
Zwei Flaschen, die den Abend getragen haben
Auf der Flasche zeigte die La Turista mehr. Auch hier bleibt die Auswahl kompakt, bei den Rotweinen stehen genau drei Flaschen auf der Karte: ein Mencía aus dem Bierzo für 28 Euro, ein Monastrell aus der DO Valencia für 30 Euro und der Garnacha 2022 “Classic” von Bodegas Langa aus der DO Calatayud für 36 Euro. Das passt zum restlichen Eindruck, dass der Fokus des Hauses nicht auf dem Wein liegt, macht die Entscheidung am Tisch aber angenehm kurz.
Der Arte Latino Cava Brut für 32 Euro kam ungefragt auf Eis, was bei den Temperaturen genau richtig war. Im Glas zeigte er eine feine, kleinperlige Frische und wenig Zitrus, dafür gelbe Frucht mit leichter Rauchigkeit und Hefenoten. Mit Champagner sollte man ihn nicht vergleichen, muss man aber auch nicht: Als Schaumwein für einen langen, warmen Abend hat er seinen Job gemacht und kam am Tisch gut an.
Beim Rotwein haben wir aus der Erfahrung mit dem offenen Glas gelernt und beim Garnacha vorab gefragt, ob es die Flasche auch gekühlt gibt. Nach kurzem Überlegen stellte sich heraus: Im Weinklimaschrank lag tatsächlich noch eine. Fragen lohnt sich, und zwar genau in solchen Momenten. Wie man solche Gespräche entspannt führt, steht ausführlicher im Guide zum souveränen Umgang mit der Weinkarte im Restaurant.
Der Wein wurde dann ungefragt dekantiert. Ein professioneller Service fragt vorher, in der Sache war es aber die richtige Entscheidung. Zunächst standen dunkle Himbeere, Kirsche und Vanille in der Nase, später eine süße Amarenakirsche. Am Gaumen stand zuerst die Struktur im Vordergrund: kräftige Tannine, Säure und 15 Prozent Alkohol, in bemerkenswert harmonischer Balance. Mit Zeit im Dekanter und im Glas kam die Frucht immer weiter nach vorn, dazu Blaubeere und etwas Johannisbeere, ganz am Rand eine Ahnung von Lösungsmittel, wie man sie bei jungen, dichten Weinen kennt. Ein schönes Beispiel dafür, was ein junger, strukturierter Garnacha mit etwas Luft kann, und der klare Wein-Höhepunkt des Abends. Die ausführliche Verkostungsnotiz zum Langa Classic Garnacha 2022 steht inzwischen separat im Magazin.
Preis und Einordnung
Für fünf Personen mit reichlich Tapas, Nachtisch, offenen Weinen und zwei Flaschen lag die Rechnung bei 226 Euro. Bei der Lage in Köln geht das für mich in Ordnung: kein Schnäppchen, aber weit entfernt von überteuert, und es blieben keine Wünsche offen. Wer vor allem wegen des Weins kommt, sollte die Erwartung justieren und direkt zur Flaschenkarte greifen, denn die offenen Weine verstehen sich als unkomplizierte Begleitung.
Vom Mauritiusviertel aus darf der Abend danach auch noch woanders hinführen, denn die beiden großen Kölner Weinabend-Reviere liegen in Reichweite. Wie sich Belgisches Viertel und Südstadt zum Bar-Hopping schlagen, steht im Vergleich der beiden Veedel.
Für wen passt die La Turista?
Für einen geselligen Sommerabend draußen, mit Freunden oder Familie, funktioniert die La Turista sehr gut: Das Bestellen in Runden hält den Tisch lebendig, die Tapas kommen verlässlich gut aus der Küche, und auch mit Kind waren wir entspannt aufgehoben. Weniger passend ist der Ort für Abende, an denen der Wein im Mittelpunkt stehen soll oder man sich eine Beratung zur Karte wünscht.
Ich würde wiederkommen, dann bewusst früher am Abend, wenn der Service noch Luft hat, und mit zwei Handgriffen aus diesem Besuch: erst die offenen Weine kurz probieren, dann zügig eine Flasche aussuchen und direkt nach der gekühlten Variante fragen.
Die La Turista Vermuteria ist eine gut funktionierende Tapas-Bar im Kölner Mauritiusviertel: freundlicher Service, verlässlich gute Tapas in Tonschalen und ein faires Preisniveau. Beim Wein lohnt sich der Griff zur Flasche, gern mit der Frage nach der gekühlten Variante. Die offenen Weine bleiben eine solide Begleitung.



