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Weinbistro L'escalier in Köln: Menu Surprise mit Weinbegleitung im Belgischen Viertel

Weinbistro L'escalier an der Brüsseler Straße: Menu Surprise für 79 Euro, Weinbegleitung mit Überraschungen und Flaschen aus Frankreich und Deutschland.

Weinbistro L'escalier in Köln: Menu Surprise mit Weinbegleitung im Belgischen Viertel

Der Name L’escalier sagte mir etwas, bevor ich zum ersten Mal dort saß. An der Ecke Brüsseler Straße 11 stand jahrelang ein Sternerestaurant gleichen Namens; Maximilian Lorenz hat sich hier 2016 seinen Michelin-Stern erkocht, bevor er 2018 weiterzog. Danach stand das Lokal gut fünf Jahre leer. Heute führen Daniel und Stephanie Lengsfeld an dieser Adresse ein Weinbistro, und bei unserem Besuch im April 2026 wollten wir wissen, was von der Geschichte des Ortes zu spüren ist und wie viel Weinbistro tatsächlich drinsteckt.

Von außen ist die Ecke ein Blickfang: ein alter, hochgewachsener Blauregen zieht sich über die Fassade, davor und in den Fenstern stehen Weinflaschen in verschiedenen Größen. Wer im Frühling vorbeikommt, sieht das Haus in seiner besten Zeit.

Kurz gesagt
  • Ort: Weinbistro L'escalier, Brüsseler Straße 11, Belgisches Viertel, Köln.
  • Atmosphäre: Klassisch, elegant, leicht gehoben; kompakter Innenraum mit viel Weindekoration.
  • Essen: Menu Surprise mit vier Gängen nach Wahl der Küche für 79 Euro, nur tischweise.
  • Wein: Flaschenkarte mit rund 145 Positionen, Schwerpunkt Frankreich und Deutschland; zum Menü gibt es eine Weinbegleitung.
  • Passt für: Einen besonderen Abend zu zweit, bei dem man Menü und Weinauswahl aus der Hand gibt.

Ambiente: Bistro mit Fine-Dining-Erbe

Innen ist der Raum überschaubar, die Tische stehen nicht allzu weit auseinander. Das Ambiente ist klassisch und elegant, einen Tick gehobener, als man es von einem Bistro erwarten würde. Überall stehen Weinflaschen, als Dekoration und als Hinweis darauf, wie viele Exemplare hier schon verkostet wurden. Das Fine-Dining-Erbe des Ortes schimmert durch: In manchen Momenten fühlte sich der Abend mehr nach Restaurant als nach Bistro an. Störend war das nicht, nur anders, als der Name vermuten lässt.

Die Weinkarte: Solide Auswahl, Luft nach oben

Die Flaschenkarte sortiert nach Ländern und Regionen, mit klarem Schwerpunkt auf Frankreich und Deutschland. Österreich und Italien sind mit einigen Flaschen vertreten, Spanien und Osteuropa mit Einzelpositionen. Auf der aktuellen Karte (Stand Sommer 2026) stehen 18 Schaumweine, 69 Weißweine, 56 Rotweine und 3 Roséweine; dazu kommen drei der Champagner als Rosé.

Die meisten werden auf dieser Karte etwas finden, das ihnen schmeckt. Für ein Lokal, das sich Weinbistro nennt, hätte ich mir trotzdem mehr gewünscht: mehr Vielfalt, mehr Tiefe bei den Jahrgängen, mehr Positionen, die Lust machen, gleich die Flasche zu bestellen. Wer vor so einer Karte grundsätzlich ins Schwimmen kommt, findet im Ratgeber zum souveränen Lesen einer Weinkarte eine Orientierung, die auch hier funktioniert.

Das Menu Surprise: Vier Gänge nach Laune der Küche

Wir entschieden uns für das Menu Surprise: vier Gänge nach Lust und Laune der Küche und der Natur, inklusive Sauerteigbrot, für 79 Euro. Es gibt das Menü nur tischweise. Ich verstehe die Gründe, so etwas macht in der Küche viel Arbeit. Als Gast fühle ich mich dabei trotzdem etwas eingeschränkt, und wenn die Geschmäcker am Tisch auseinandergehen, kann die Regel zur Stimmungsbremse werden.

Das Sauerteigbrot kam mit Butter. Als erster Gang folgte weißer Spargel mit grünem Crêpe und Sauce Hollandaise: cremig, salzig, mit toller Textur, für uns der stärkste Teller des Abends. Danach ein Schaumsüppchen mit Safran, sehr fein gemacht und gut abgeschmeckt.

Weißer Spargel mit grünem Crêpe und Sauce Hollandaise im Weinbistro L'escalier
Der erste Gang: Weißer Spargel im grünen Crêpe mit Hollandaise, dazu Sauerteigbrot im Hintergrund.
Glas Sauternes vor Mandelkuchen mit Vanilleeis im Weinbistro L'escalier
Zum Dessert ein Sauternes mit genug Säure, um beim süßen Mandelkuchen mitzuhalten.

Beim Hauptgang riss der Faden. Es gab ein Stück vom Schwein mit Gemüse, das uns nicht überzeugte: ein Teil hauptsächlich Fett, ein Teil sehr mager. Die Würzung war in Ordnung, die Textur nicht. Zum Abschluss eine Art Mandelkuchen mit Vanilleeis, sehr lecker, aber auch sehr süß. Drei von vier Gängen haben uns positiv überrascht; bei einem Menüpreis von 79 Euro muss aus meiner Sicht aber gerade der Hauptgang sitzen.

Die Weinbegleitung: Mit einer Entdeckung

Ich nahm die Weinbegleitung zum Menü, und die Weine passten durchgehend zu den Gerichten. Der Rotwein kam durch den Zuschnitt des Menüs etwas kurz, das lag an den Gängen, nicht an der Auswahl.

Trüber roter Naturwein auf Eis als Aperitif im Weinbistro L'escalier
Der Aperitif: Ein trüber Naturwein auf Eis, fruchtig, bitter und frisch.

Als Aperitif gab es einen trüben Naturwein auf Eis, fruchtig, bitter, frisch, mit interessanten Noten. Zum Spargel kam ein Vouvray, Chenin Blanc von der Loire: Grapefruit, tolle mineralische Noten, schöne Länge. Er passte hervorragend zum ersten Gang.

Zwischendrin sprach uns der Service auf einen Rosé an, den er uns gerne zeigen wollte: der Blaue Spätburgunder Rosé „Chaiselongue“ 2022 vom Weinhaus Bettina Schumann am Kaiserstuhl. Der Wein war die Überraschung des Abends. Orange, Grapefruit, Himbeere, dazu Vanille und Karamell aus dem Fass, das hier sehr schön eingebunden ist. Wer Fassausbau bei Rosé grundsätzlich meidet, wird skeptisch bleiben; uns haben Frische, Komplexität und Abgang überzeugt. Diese Art, eine Weinbegleitung spontan zu ergänzen, ist eine nette Geste, und die Empfehlung zahlte sich aus.

Zum Hauptgang gab es einen Beaujolais, den Saint-Amour „Le Châtelet“ 2022 von Château de Lavernette, leicht gekühlt serviert und genau richtig temperiert. Viele rote Früchte, Himbeere, Johannisbeere, vielleicht etwas Brombeere, mit ausbalancierter Säure und runden Tanninen. Er harmonierte auch mit dem Gang, der uns kulinarisch nicht abgeholt hat. Wie viel Vergnügen gut gemachtes Beaujolais-Cru-Niveau bereiten kann, hatten wir schon beim Besuch auf Château de la Chaize gelernt. Zum Dessert stand ein Sauternes im Glas, Honig und Aprikose, mit genug Säure für den süßen Abschluss.

Die Weinansprache und die Beratung waren für ein Weinbistro gut: erklärend, wo es half, ohne Vortrag zu werden. Der Service insgesamt war aufmerksam und aufgeschlossen, mit Witz und ohne Steifheit. Zu den offenen Weinen außerhalb der Begleitung kann ich nach diesem einen Abend keine belastbare Einschätzung geben.

Preisniveau: Gehoben, mit Diskussionsbedarf

Am Ende standen für zwei Personen knapp über 250 Euro auf der Rechnung, mit Menü und Weinbegleitung. Das Preisniveau ist gehoben, und das darf es an so einem Ort auch sein. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis lande ich trotzdem leicht unter dem Durchschnitt: Für ein 79-Euro-Menü hätte mindestens die Hauptspeise absolut überzeugen müssen. Lässt man den Preis außen vor, war es ein wundervoller Abend mit größtenteils gutem Service und mindestens einer Wein-Inspiration. Rechnet man ihn ein, war der Abend einen Hauch überteuert.

Für wen passt das L’escalier?

Das Weinbistro L’escalier passt für Abende, an denen man sich führen lassen möchte: Menü aus der Hand der Küche, Weine aus der Hand des Hauses, dazu ein Raum, der einen besonderen Anlass trägt. Wer maximale Wahlfreiheit beim Essen braucht oder auf einen günstigen Bistro-Abend hofft, ist hier weniger richtig. Im Belgischen Viertel ergänzt es das Angebot um eine gehobene Menü-Adresse; wer am selben Abend lieber offen durch mehrere Gläser probiert, ist ein paar Straßen weiter in der Bredouille besser aufgehoben.

Die beste Antwort auf die Frage, ob sich der Abend gelohnt hat, gab übrigens mein eigenes Bestellverhalten: Noch am selben Abend habe ich beim Weinhaus Schumann vier Flaschen des „Chaiselongue“ 2022 bestellt. Wie er sich zu Hause aus der Magnum schlägt, steht in der eigenen Verkostungsnotiz.

KORKLESE-Einordnung

Das Weinbistro L'escalier ist ein eleganter Ort mit besonderer Geschichte, aufmerksamem Service und einer Weinbegleitung, die mit dem Kaiserstühler Rosé eine echte Entdeckung lieferte. Das Essen überzeugte in drei von vier Gängen, der Hauptgang und das Preis-Leistungs-Verhältnis lassen Luft nach oben. Für einen besonderen Abend mit Wein im Mittelpunkt eine gute Adresse, wenn das Budget den Rahmen hergibt.

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Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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