Anderthalb Liter Rosé setzen den Rahmen für einen ganzen Nachmittag. So eine Flasche öffnet man für eine Runde, kaum für sich allein. Heute stand sie bei uns im Garten auf der Holzbank, und es war das vierte Mal, dass ich den Blauen Spätburgunder Rosé „Chaiselongue“ 2022 vom Weinhaus Bettina Schumann im Glas hatte.
- Wein: Weinhaus Bettina Schumann, „Chaiselongue" Blauer Spätburgunder Rosé, 2022, Baden/Kaiserstuhl; 12,5 % vol, nur als Magnum (1,5 l)
- Stil: Im Fass ausgebauter Rosé mit dunkler Farbe, klarer Säure und einer Karamellnote unter der Frucht.
- Preisbereich: 42 Euro pro Magnum, bestellt im Onlineshop des Weinhauses.
- Passt für: Runden im Garten, Grillabende, alles mit Ziegenkäse oder Burrata.
- Passt eher nicht für: Abende zu zweit, an denen eine halbe Flasche reichen würde.
Was in der Flasche steckt
Der Wein kommt aus Bahlingen am Kaiserstuhl in Baden, einer Ecke mit viel Vulkangestein und viel Spätburgunder. Auf dem Etikett steht die Rebsorte in der alten deutschen Schreibweise: Blauer Spätburgunder, also derselbe Pinot Noir, der im Burgund und an der Loire die roten Weine trägt. Hier ist er zu Rosé verarbeitet und anschließend im Fass ausgebaut, was man später im Glas auch merkt.
Kennengelernt habe ich ihn im April 2026 im Weinbistro L’escalier im Belgischen Viertel. Der Service brachte ihn zwischendurch an den Tisch, außerhalb der bestellten Weinbegleitung, einfach weil er ihn zeigen wollte. Noch am selben Abend habe ich im Onlineshop der Winzerin bestellt.
Man kann dort nur Magnum bestellen, eine kleinere Flasche gibt es nicht. Das ist die eigentliche Eigenheit dieses Weins: Die Packungsgröße entscheidet mit, wann man ihn öffnet. Für einen Wein, der als Aperitif funktioniert, ist das eine mutige Festlegung. 42 Euro kostet eine Flasche, umgerechnet also 21 Euro auf die übliche 0,75-Liter-Menge.
Die Flasche selbst ist ein Hingucker, und das offensichtlich mit Absicht: bauchiges Glas, eine goldene Wachskapsel über dem Hals, ein silbriges Etikett mit handgeschriebenen Lettern, dazu ein gemalter goldener Damenschuh. Der Korken trägt denselben Schriftzug eingebrannt. Die Handschrift ist eher modern als klassisch, und in einer Reihe deutscher Etiketten fällt sie sofort auf.
Was im Glas war
Zuerst die Farbe, denn sie ist der erste Punkt, an dem dieser Wein von der Norm abweicht. Für einen Rosé ist er ziemlich dunkel, ein sattes Rotorange mit Kupferton, das im Gegenlicht glüht. Wer ein Aperol Spritz danebenhält, liegt farblich nah dran. Mit einem Rotwein kann man ihn trotzdem nicht verwechseln, dafür bleibt er zu klar und zu leuchtend. Ähnlich überrascht hatte mich zuletzt der Sancerre Rouge von Paul Prieur, der für einen Pinot Noir ebenfalls ungewöhnlich dunkel ausfällt.
Im ersten Schluck ist er frisch und fruchtig, mit einer prägnanten Säure als Rückgrat. Aufgefallen sind Orange und eine leicht bittere Grapefruit, dahinter Himbeere. Aus dem Fass kommen Karamell und Vanille, die sich unter die Frucht legen, ohne sie zuzudecken. Nach einer Weile im Glas kamen Nektarine und Grenadine dazu, ganz am Rand vielleicht etwas Minze. Die Säure lag durchgehend unter allem und hielt den Wein wach.
Als Aperitif funktioniert er damit allein im Glas. Interessanter wird er am Tisch.
Essen dazu
Bei uns lief es heute genau andersherum, als es hätte laufen sollen. Erst gab es Kuchen, später Fingerfood, gefüllte Pizzabrötchen. Zum Kuchen kam der Wein gegen die Süße nicht an, und die Pizzabrötchen waren zu weich und zu mild, um seiner Säure etwas entgegenzusetzen. Geschmeckt hat er trotzdem, aber die Kombination hat ihn nicht besser gemacht.
Das ist keine Schwäche des Weins, sondern eine Frage der Richtung. Seine Säure und die leichte Bitternote wollen etwas Herzhaftes, Salziges oder Fettes:
- Ziegenkäse und Burrata: Die Säure schneidet durch die cremige Textur, die Zitrusnoten holen den Frischkäse nach vorn.
- Gegrilltes oder gebratenes Fleisch: Röstaromen und Karamell aus dem Fassausbau ziehen in dieselbe Richtung, ohne dass der Wein zu schwer wird.
- Gebratener Fisch: Genug Struktur für Bratensaft und Haut, ohne den Fisch zu überfahren.
- Leicht Säuerliches: Eingelegtes Gemüse, Vinaigrette oder Zitrone stören ihn nicht, weil er selbst mit Säure arbeitet.
Wer ein Buffet plant, stellt ihn also besser neben die Käseplatte als neben die Kuchentheke.
KORKLESE-Einordnung
Der „Chaiselongue“ 2022 ist ein Rosé mit mehr Substanz, als die Kategorie meistens hergibt: dunkle Farbe, Fassausbau, klare Säure und ein Aromenbild, das sich über den Abend noch bewegt. Er ist unkompliziert genug für den ersten Schluck im Garten und ausreichend gebaut, um zu herzhaftem Essen mitzuhalten. Die 21 Euro pro 0,75 Liter gehen für mich in Ordnung; man bezahlt hier für einen Rosé, der über den ganzen Nachmittag trägt.
Die Flaschengröße gibt den Anlass vor. Anderthalb Liter sind für zwei Personen an einem Abend zu viel, für sechs Leute im Garten genau richtig. Wer den Wein bestellt, plant den Anlass am besten gleich mit. Dann wird die Magnum zum besten Teil daran.



