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Château de La Chaize im Beaujolais: Ein Besuch zwischen Schlossgarten, Keller und Gamay

Ein Besuch bei Château de La Chaize im Beaujolais: Führung, Keller, Gärten und drei Gamay-Weine, und warum die Region als Kontrast zum Burgund lohnt.

Château de La Chaize im Beaujolais: Ein Besuch zwischen Schlossgarten, Keller und Gamay

Ende März 2025 fuhren wir auf unserer Reise durch das Burgund weiter nach Süden und kamen im Beaujolais an. Auf der Karte ist das ein naheliegender Anschluss. Unterwegs merkten wir, wie sehr das Burgund unseren Blick geprägt hatte: Das Beaujolais begann sofort, eine eigene Geschichte zu erzählen.

Die Landschaft wurde anders, die Orte wirkten anders, und auch in den Weinbergen änderte sich das Bild. Nach den geordneten Reihen der Côte de Beaune, diesen sauber gezogenen Drahtrahmen, standen im Beaujolais plötzlich viel häufiger einzelne Rebstöcke in der Landschaft. Weniger Linie, mehr kleine Gestalten. Es war einer dieser Momente, in denen Weinwissen aus dem Blick aus dem Autofenster kommt.

Auf eine freundliche Empfehlung hin wollten wir uns Château de La Chaize anschauen. Für ein Urteil über das ganze Beaujolais ist eine einzelne Probe zu wenig. Als gut gesetzter Besuch, der Wein, Architektur, Keller und Landschaft zusammenbringt, war das ein sehr brauchbarer Einstieg.

Kurz gesagt
  • Anlass: Besuch bei Château de La Chaize am 29. März 2025 während einer Reise durch Burgund und Beaujolais.
  • Erlebnis: Führung über das Anwesen und durch die Gärten, anschließend Kellerbesuch und Probe von drei Weinen.
  • Stärkster Wein: Côte de Brouilly Lieu-dit "Brulhié" 2022 war für mich der rundeste Wein der Probe und ging später mit nach Hause.
  • Wichtige Einschränkung: Preise, Besuchsbedingungen und Jahrgänge beziehen sich auf unseren Besuch. Vor einer Reise bitte aktuell prüfen.

Vom Burgund ins Beaujolais

Wenn man aus dem Burgund kommt, kann Beaujolais schnell als kleiner südlicher Zusatz wirken. Ein Anhängsel nach den großen Namen. Das wäre schade, denn vor Ort fühlt sich das Beaujolais eigenständig an.

Am sichtbarsten wurde das für mich in den Reben. Im Burgund sahen wir sehr häufig das geordnete Guyot-Bild: Reben an Drahtrahmen, lineare Zeilen, eine fast architektonische Ordnung. Im Beaujolais tauchten dagegen immer wieder frei stehende, kurz gehaltene Stöcke auf, die eher wie kleine Büsche wirken. Das ist das, was oft als Gobelet-Erziehung beschrieben wird.

Man muss daraus keine Weinbauschulung machen. Für Leser, die sich langsam in Weinregionen hineintrinken, ist der Punkt einfacher: Reberziehung prägt, wie eine Landschaft aussieht. Und wenn eine Landschaft anders aussieht, beginnt man auch die Weine anders zu lesen.

Das half mir an diesem Tag besonders, weil Gamay im Kopf vieler Menschen noch immer schnell in die Schublade “leicht, fruchtig, jung trinken” rutscht. Diese Schublade ist nicht komplett falsch, aber sie ist zu klein. Gerade Cru-Beaujolais kann deutlich ernster, griffiger und ortsbezogener wirken, ohne die Frucht zu verlieren.

Ankommen in Odenas

Château de La Chaize liegt in Odenas, nördlich von Lyon, eingebettet zwischen Schlossanlage, Gärten und Weinbergen. Der erste Eindruck ist entsprechend mehr Herrenhaus als Probierstube. Man fährt vor und schaut auf ein gelbes Château mit formalem Garten, Wasserbecken, geschnittenen Hecken und Hang im Rücken.

Das kann schnell einschüchtern. Tat es bei unserem Besuch aber nicht. Wir wurden freundlich empfangen, die Führung war klar organisiert und kostete damals 35 Euro pro Person. Insgesamt dauerte sie etwa eineinhalb Stunden. Für eine Kombination aus Grundstück, Garten, Schlossnähe, modernisiertem Keller und Weinprobe fand ich das angemessen.

Wichtig ist mir die Einschränkung: Das ist ein bewusst gebautes Besuchserlebnis mit fester Führung. Das passt zur Größe und Wirkung des Ortes. Wer eine kleine Winzerstube mit improvisierter Probe sucht, ist woanders besser aufgehoben. Wer verstehen möchte, wie ein großes, historisches Weingut heute Besucher durch Anlage, Keller und Weine führt, bekommt viel Anschauungsmaterial.

Schlosskulisse und Kellerwirklichkeit

Der Weg über das Gelände war der atmosphärische Teil des Besuchs. Gärten, Blickachsen, das Château, die Weinberge dahinter: Das ist alles sehr französisch in dem Sinne, dass Landschaft, Besitzgeschichte und Repräsentation sichtbar zusammengehören. Man kann das bewundern, ohne sofort in Andacht zu verfallen.

Spannender wurde es für mich im Keller. Dort trafen alte Bausubstanz und moderne Technik sichtbar aufeinander. Große Holzfässer, Edelstahl, klare Wege, Glasflächen, Licht. Es wirkte wie ein Betrieb, der die historische Kulisse nutzt und gleichzeitig stark in die Gegenwart gezogen wurde.

Langer Fassgang im Keller von Château de La Chaize im Beaujolais
Der Keller verbindet alte Gewölbe mit sehr sauberer, moderner Präsentation. Für den Besuch ist das ein starker Teil des Eindrucks.

Während der Führung ging es um Appellationen, Böden, Lagen und Vinifizierung. Der Fokus lag naheliegend auf Gamay. Interessant wurde es dort, wo die Unterschiede zwischen Brouilly, Côte de Brouilly, Fleurie und Morgon greifbar gemacht wurden: als Frage, was Lage, Boden und Ausbau im Glas verändern können.

Für Einsteiger ist das ein guter Zugang. Man muss nicht jede Appellation auswendig kennen. Es reicht zunächst zu verstehen, dass Beaujolais nicht nur “Beaujolais” ist. Ein Brouilly muss nicht dasselbe erzählen wie ein Fleurie, und ein Lieu-dit, also eine benannte Lage oder Parzelle, ist mehr als ein hübscher Zusatz auf dem Etikett. Er ist der Versuch, Herkunft genauer zu fassen.

Die Probe: Drei Weine, eine klare Tendenz

In der anschließenden Probe standen drei Weine aus Brouilly, Côte de Brouilly und Fleurie im Glas. Alle wirkten aromatisch sehr präsent. Die Nase war bei jedem Wein auffällig: dunkle und rote Frucht, Blüten, Gewürz, teilweise eine leichte erdige Note. Gleichzeitig merkte man den jüngeren Weinen an, dass sie zum Zeitpunkt der Probe noch nicht komplett offen waren.

Das ist eine Erinnerung daran, dass Verkostungen immer Momentaufnahmen sind. Ein Wein kann im März 2025 noch ein wenig streng oder unentschieden wirken und ein Jahr später deutlich entspannter auftreten. Gerade wenn Tannin und Säure präsent sind, entscheidet die Zeit mit.

Flaschen von Château de La Chaize in einer Reihe vor einem Weinregal
Die Probe zeigte mehrere Gamay-Weine mit Lage, Struktur und deutlich spürbarer Frucht.

Brouilly Lieu-dit “Combiliaty” 2023

Der Brouilly Lieu-dit “Combiliaty” 2023 kostete bei unserem Besuch 23 Euro. Er wirkte fruchtig, frisch und griffig: Schwarzkirsche, etwas Pfeffer, Veilchen, eher dunkle Frucht. Der Wein fühlte sich noch jung an und ließ sich trotzdem schon gut trinken.

Für mich war das der Wein, der am unmittelbarsten zeigte, warum Gamay mehr Struktur haben kann, als sein Ruf manchmal erwarten lässt. Neben der Frucht standen Griff, Säure und ein kleines kantiges Moment im Raum. Wer Beaujolais nur als weich gespülten Terrassenrotwein kennt, bekommt hier eine andere Richtung.

Côte de Brouilly Lieu-dit “Brulhié” 2022

Der Côte de Brouilly Lieu-dit “Brulhié” 2022 kostete damals 36 Euro und war mein Favorit der Probe. Er wirkte voller, hatte präsente Tannine und eine gut eingebundene Säure. In der Aromatik lagen Himbeere, Johannisbeere, Erdbeere, Rosenblüten und Gewürze nahe beieinander, und im Glas blieb das alles ruhig und geordnet.

Er hatte für mich die beste Balance aus Duft, Struktur und Trinkfluss und war der stimmigste Wein der Probe. Ich mochte, dass die Frucht nicht in Süße kippte und die Tannine dem Wein Halt gaben. Deshalb habe ich mich im Anschluss für diesen Wein entschieden und eine Flasche für eine spätere Probe zu Hause mitgenommen.

Solche Mitnahmen sind für mich auf Reisen oft aufschlussreicher als der Kauf nach Etikett oder Rang. Man entscheidet aus der konkreten Probe heraus. Später zu Hause merkt man dann, ob der Eindruck den Ortszauber überlebt.

Fleurie Lieu-dit “La Madone” 2023

Der Fleurie Lieu-dit “La Madone” 2023 lag ebenfalls bei 23 Euro. Schwarzkirsche, Himbeere, erdige Noten, viel Säure und Tannin. Von Fleurie erwartet man schnell etwas Duftiges, Feines, vielleicht sogar etwas Zarteres. Dieser Wein zeigte für mich eher eine straffere Seite.

Ich fand ihn interessant, aber zum Zeitpunkt der Probe weniger harmonisch als den Brulhié. Vielleicht war er schlicht zu jung. Vielleicht traf er in diesem Moment auch weniger meinen Geschmack. Das ist eine faire Grenze für Verkostungsnotizen: Nicht jeder gute Wein muss an jedem Tag der eigene Favorit sein.

Schloss, moderner Keller und ernsthafter Gamay

Bei Château de La Chaize ist es die Kombination: Man bekommt dort eine Schlossanlage, einen sehr gepflegten Besuchsablauf, moderne Kellerarchitektur und Weine, die Beaujolais nicht auf einfache Fruchtigkeit verkürzen.

Das ist besonders sinnvoll, wenn man aus dem Burgund kommt. Nach Tagen, an denen Chardonnay und Pinot Noir, Premier Cru, Dorfname und Lage schnell den Kopf füllen können, ist Beaujolais eine gute Erdung: unmittelbarer, ohne beliebig zu werden. Gamay kann sehr direkt duften, ohne simpel zu sein. Er kann Frucht zeigen und trotzdem Gerbstoff, Säure und Herkunft mitbringen.

Mir half außerdem der sichtbare Kontrast der Reberziehung. Guyot und Gobelet sind Begriffe, die in einem Weinbuch trocken wirken können. Auf einer Reise werden sie konkret. Man sieht die Reihen, die Stöcke, die Topographie, die Böden, und plötzlich ist Weinwissen weniger Vokabel als Erinnerung an einen Ort.

Moderner Kellerbereich mit Holz- und Edelstahltanks bei Château de La Chaize
Blick in den Keller: Der Ort wirkt historisch und wird sehr modern geführt.

Für wen sich Château de La Chaize lohnt

Ich würde Château de La Chaize vor allem Menschen empfehlen, die eine Burgundreise Richtung Süden erweitern und dem Beaujolais mehr als eine kurze Durchfahrt geben möchten. Der Besuch passt gut für Reisende, die eine gut organisierte Führung mögen, etwas über Appellationen und Kellerarbeit hören wollen und nach der Probe auch bereit sind, ein oder zwei Flaschen mitzunehmen.

Für eine sehr intime Winzerbegegnung ist der Ort wahrscheinlich nicht die erste Adresse. Dafür ist das Anwesen zu groß, zu repräsentativ und zu professionell durchinszeniert. Das meine ich nicht negativ. Es ist nur eine andere Art von Weingutsbesuch als ein Gespräch in einer kleinen Garage, bei dem der Winzer zwischen zwei Tanks noch schnell ein Glas einschenkt.

Praktisch würde ich beim nächsten Mal mehr Zeit für das Beaujolais einplanen: als eigene Etappe mit mehreren Orten und Produzenten. Gerade die Unterschiede zwischen Brouilly, Côte de Brouilly, Fleurie und Morgon möchte ich lieber über mehrere Gläser und Mahlzeiten hinweg verstehen als in einer einzigen Probe.

Wer den Burgund-Teil dieser Reise stärker über Landschaft und Chardonnay verstehen möchte, kann mit der Wanderung von Meursault nach Puligny-Montrachet beginnen. Dort geht es weniger um Schloss und Keller, dafür um Côte de Beaune, Lagenlogik und ein Glas Puligny-Montrachet nach ein paar Kilometern durch die Reben.

Wer Weinreisen mit Inselgefühl vergleichen möchte, findet auf KORKLESE auch meinen Besuch bei Finca Biniagual auf Mallorca. Château de La Chaize ist das Gegenteil davon: ein großer, historisch aufgeladener Ort, der Beaujolais als ernsthafte Reiseetappe sichtbar macht.

KORKLESE-Einordnung

Château de La Chaize lohnt sich, wenn man Beaujolais vor Ort einordnen möchte. Der Besuch ist gepflegt, informativ und eher groß angelegt als intim. Mein Favorit der Probe war der Côte de Brouilly Lieu-dit "Brulhié" 2022: ein Gamay mit Duft, Struktur und genug Spannung für eine zweite Begegnung zu Hause.

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Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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