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Christoph Pauls Restaurant in Köln: Sommermenü im Innenhof des Belgischen Viertels

Ein Juliabend im Innenhof an der Brüsseler Straße: wechselndes 4-Gänge-Menü, kompakte Weinkarte, faire Gläser. Dazu ein Kalbsbries mit Sterne-Handwerk.

Christoph Pauls Restaurant in Köln: Sommermenü im Innenhof des Belgischen Viertels

Mein erster Besuch bei Christoph Paul liegt lange zurück: Dezember 2018, mit Erinnerungen, die über „gemischt“ nicht mehr hinauskommen. Im Juli 2026 saßen wir wieder dort, diesmal an einem Sommerabend mit 25 Grad, an dem die zweite Hitzewelle des Jahres gerade abgeklungen war. Privat eingeladen waren wir an diesem Abend auch; mit dem Haus verbindet uns nichts, und die Eindrücke und Notizen sind wie immer meine eigenen.

Kurz gesagt
  • Ort: Christoph Pauls Restaurant, Brüsseler Straße 26, Belgisches Viertel, Köln.
  • Atmosphäre: Innenhof mit Ziegelmauer, Bäumen und Lichterketten; drinnen wie draußen ruhige, gepflegte Tische.
  • Essen: Wechselndes Menü mit drei oder vier Gängen (61 bis 76 Euro), klassisches Handwerk mit Sterne-Vergangenheit.
  • Wein: Kompakte Karte, fast alles deutsch, jede Position als 0,1-l-Glas oder Flasche (30 bis 42 Euro).
  • Passt für: Einen besonderen Sommerabend mit Menü, bei dem der Wein begleitet statt dominiert.

Der Innenhof: Ankommen zwischen Efeu und Lichterketten

Von der Brüsseler Straße geht es durch eine Einfahrt, links liegt zwischen Pflanzen der Eingang, und direkt dort beginnt der Außenbereich: Tische zwischen Ziegelsteinmauer, Bäumen, Sträuchern und Efeu, darüber Schirme und Lichterketten. Die Tische stehen angenehm weit auseinander, wir wurden sofort empfangen und zu einem schönen Platz geführt. An einem lauen Juliabend ist dieser Hof das stärkste Argument des Hauses.

Das Menü: Klassisches Handwerk, das man schmeckt

Christoph Paul hat in Zwei-Sterne-Küchen gelernt und gearbeitet, sein eigenes Haus war mit zwei Hauben und 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. Heute gibt es ein wechselndes Menü mit drei oder vier Gängen und jeweils zwei bis drei Wahlmöglichkeiten pro Gang: 61 Euro für drei Gänge, 69 Euro für vier, 76 Euro mit dem Zwischengang anstelle der Suppe. Vorweg kamen ein Korb mit gutem Brot, etwas Salz und ein Tomatencremefraîche-Dip, als Gruß aus der Küche rosa Krevetten auf Staudensellerie mit einem Dressing, das herrlich nach Zitrone schmeckte.

Gebratenes Kalbsbries in schaumiger Krustentiernage mit Erbse im tiefen Teller
Der Zwischengang: Kalbsherzbries mit Erbse in Krustentiernage, mit Röstaromen und fester Konsistenz.
Rotbarben-Saltimbocca im Schinkenmantel auf Bohnen in Salbeischaum
Der Hauptgang: Saltimbocca von der Felsenrotbarbe auf zweierlei Bohne in Salbeischaum.

Meine Vorspeise waren Pfifferlinge süß-sauer mit Walnusskrokant auf Feigencreme: schön angerichtet, mit toller Textur, und so hatte ich Pfifferlinge noch nie gegessen. Der Zwischengang bestätigte den Auftakt und legte nach. Das Kalbsherzbries mit Erbse in Krustentiernage war raffiniert zubereitet, mit guter, keineswegs zu weicher Konsistenz, schönen Röstaromen und präziser Würze; die Aromen des Schaums und die Textur der Erbse griffen sauber ineinander. Bries ist ein Gericht, an dem sich klassische Schule sofort zeigt, und hier zeigte sie sich.

Pfifferlinge süß-sauer mit Frisée, Essblüte und Walnusskrokant auf schwarzem Teller
Die Vorspeise: Pfifferlinge süß-sauer auf Feigencreme mit Walnusskrokant.

Der Hauptgang, ein Saltimbocca von der Felsenrotbarbe mit zweierlei Bohne und Chorizo in Salbeischaum, brachte viele verschiedene Geschmäcker auf den Teller, von denen keiner dominierte. Der Gargrad stimmte, die Anrichtung hatte Finesse. Zum Abschluss wählte ich den Bauernkäse, dreierlei aus dem Bergischen und der Eifel, hier mit Wiesenkräutern, Bockshornklee und Trüffel ausgeprägt; die Vielfalt kam an diesem Abend aus der Würzung der Laibe, dazu passte der Feigensenf. Ein solider, unaufgeregter Abschluss nach drei Gängen, die alle überzeugt haben.

Die Weinkarte: Kompakt, deutsch, komplett glasweise

Auf der Karte standen neben zwei Weinempfehlungen des Hauses neun Weißweine, allesamt deutsch, zwei Rosés aus der Pfalz und Südfrankreich, ein alkoholfreier Rosé aus Frankreich und fünf Rotweine aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien; eine sechste Rotweinposition war überklebt, offenbar leergetrunken und nicht nachbestellt. Jede Position gibt es als 0,1-l-Glas und als Flasche, die Flaschen liegen zwischen 30 und 42 Euro, die Gläser zwischen 4,50 und 6,50 Euro. Bei dieser Spanne gibt es kaum einen Grund, eine ganze Flasche zu bestellen; wir sind den ganzen Abend bei den Gläsern geblieben und haben zu jedem Gang neu gewählt. Der Fokus des Hauses liegt erkennbar auf dem Essen, die Auswahl reicht aber, um zu jedem Gang etwas Passendes zu finden.

Zwei Weißweingläser mit Eichstrich im abendlichen Innenhof, dahinter Blumentopf und Windlicht
Weißwein zum Menü im Innenhof: Ausgeschenkt wird in Gläsern mit 0,1- und 0,2-l-Eichstrich.

Der Einstieg gelang mit der Weinempfehlung des Hauses, der „Cuvée Sunnesching“ 2025 vom Weingut Reith aus Rheinhessen, einer Mischung aus Riesling, Scheurebe und Silvaner: Grapefruit und Zitrus in der Nase, ein leicht exotischer Zug, am Gaumen frisch, fruchtig und spritzig. Die bestellten 0,1 l wurden großzügig eher als 0,15 l eingeschenkt, was die 5,50 Euro zu einem guten Angebot machte. Der Cremant rosé als Aperitif fiel dagegen süßer aus als erwartet und blieb geschmacklich in Ordnung, ohne zu begeistern. Mit 10 Euro war er der mit Abstand teuerste Posten unter den Gläsern, und ausgerechnet hier blieb es, im kleineren Glas, bei strikt gemessenen 0,1 l.

Zur Vorspeise kam die Scheurebe vom Weingut Krieger, blumig und nach Stachelbeere duftend, frisch, mit leichten Noten von Orange und Litschi. Auf der Karte stand der Jahrgang 2021, im Glas war es ein 2025er. Beim Bordeaux zum Käse wiederholte sich das Muster: gelistet war der 2016er Le Bourdieu Cru Bourgeois aus dem Médoc, serviert wurde der 2019er. Geschmeckt haben beide Weine, der Bordeaux sogar richtig gut, mit Vanille, Tabak und Zedernholz in der Nase und Cassis, Beeren und Leder am Gaumen. Die Karte weist im Kleingedruckten zwar darauf hin, dass sich Jahrgänge ändern können; ein Sprung von 2016 auf 2019 ist beim Médoc aber mehr als eine Fußnote, denn 2016 war ein exzellenter Jahrgang, dessen zusätzliche Reife ich gern probiert hätte. Eine Weinkarte gehört aktuell gehalten, oder die Jahrgänge gehören gleich gestrichen. Wie man solche Angaben auf einer Karte liest und einordnet, zeigt der Ratgeber zum souveränen Lesen einer Weinkarte.

Dazwischen begleitete ein Chardonnay den Zwischengang, mit Zitrus, Apfel und Vanille, einer mineralischen, leicht reduktiven Note und einem von guter Säure getragenen Abgang mit Honig; nach einiger Zeit im Glas kam noch mehr. Zum Fisch wählte ich wegen der Chorizo den südfranzösischen Rosé, der für sich genommen wenig erzählte, mit dem Gericht aber gut harmonierte, mit dezenter Vanille, Frische und einem Hauch Himbeere.

Service: Gründlich, mit kleinen Reibungen

Der Service arbeitete gut und professionell. Zu jedem neuen Wein kam ein frisches Glas, und Fragen zu Jahrgängen und Rebsorten, die nicht sofort beantwortet werden konnten, wurden unaufgefordert kurz darauf nachgereicht. Im Umgang fehlte an einigen Stellen ein wenig Harmonie; wir fühlten uns ein paar Mal so, als würden wir unerwünscht viele Fragen stellen. Eine Weinberatung über die Karte hinaus gab es auch auf Nachfrage kaum, die Auskunft lautete, die beiden empfohlenen Weine passten zum gesamten Menü. Das stimmte im Groben, ersetzt aber keine Empfehlung zum einzelnen Gang.

Preis: Für dieses Niveau bemerkenswert fair

Zu viert kamen wir auf ungefähr 395 Euro, mit vier 4-Gänge-Menüs, rund fünf Gläsern Wein pro Person, zwei Flaschen Mineralwasser zu je 7 Euro und einem Espresso. Knapp 100 Euro pro Person für ein Menü auf diesem Niveau samt Weinbegleitung: Für diese Qualität zahlt man an anderer Stelle spürbar mehr. Der Cremant war der einzige Posten, bei dem ich geschluckt habe.

Für wen passt Christoph Pauls Restaurant?

Für einen besonderen Abend, an dem das Menü im Mittelpunkt steht und der Wein präzise begleiten soll, ist das Haus eine sichere Wahl, im Sommer mit dem Innenhof als eigenem Argument. Wer sich lieber durch viele offene Positionen probiert oder eine tiefe Weinkarte durchstöbern will, wird auf der Brüsseler Straße anderswo glücklicher: ein paar Hausnummern weiter im Weinbistro L’escalier mit seiner rund 145 Positionen starken Flaschenkarte oder in der Bredouille mit ihrer wechselnden offenen Auswahl. Beim nächsten Besuch würde ich wieder den Zwischengang statt der Suppe nehmen und beim Aperitif direkt zur Weißwein-Empfehlung greifen.

KORKLESE-Einordnung

Christoph Pauls Restaurant liefert ein Menü mit klassischem Handwerk, das vom Amuse bis zum Käse überzeugt hat, dazu einen der schönsten Innenhöfe für Sommerabende im Belgischen Viertel. Die Weinkarte ist kompakt, komplett glasweise verfügbar und fair kalkuliert, verdient aber mehr Pflege bei den Jahrgängen; der Service arbeitet gründlich, ohne ganz warm zu werden. Bei knapp 100 Euro pro Person für vier Gänge mit Weinbegleitung fällt das Urteil leicht: wiederkommen, solange der Sommer den Hof bespielt.

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Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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