Draußen zeigte das Thermometer an diesem Samstag 38 Grad. Im Gewölbe des Kölner Weinkellers war davon wenig zu spüren. Vor mir standen sechs Weine von Alois Lageder: vier weiße Einstiege und Kompositionen, der LÖWENGANG Chardonnay 2021 und zum Schluss der rote COR RÖMIGBERG Cabernet Sauvignon 2018.
Christian Pisetta vom Weingut führte am 27. Juni 2026 durch die offene Verkostung. Die Auswahl reichte vom saftigen Chardonnay für 13,50 Euro bis zu zwei Crus für 54 und 69 Euro. Gerade diese Spanne machte den Termin interessant. Innerhalb einer guten Stunde ließ sich nachvollziehen, wie Lageder Frische, Rauchigkeit, Holz und Herkunft in sehr unterschiedlichen Gewichtsklassen einsetzt.
- Anlass: Frei zugänglicher Winzertalk mit Alois Lageder am 27. Juni 2026 im Kölner Weinkeller.
- Weine: Chardonnay 2025, GAUN Chardonnay 2024, PORER Pinot Grigio 2024, FÓRRA Manzoni Bianco 2023, LÖWENGANG Chardonnay 2021 und COR RÖMIGBERG Cabernet Sauvignon 2018.
- Favoriten: Der 2025er Chardonnay als unkomplizierter Sommerwein, LÖWENGANG für Balance und Länge, COR RÖMIGBERG für Kirsche, Würze und einen sehr langen Nachhall.
- Preise: Am Verkostungstag zwischen 13,50 und 69 Euro je 0,75-Liter-Flasche.
Winzertalk im Kölner Weinkeller: Probieren ohne Anmeldung
Auf dem Aufsteller vor Ort stand „Taste & Talk“. Der Veranstaltungskalender des Kölner Weinkellers führte den Termin mit Alois Lageder als Winzertalk. Gemeint ist ein unkompliziertes Format: An ausgewählten Samstagen kommen Mitarbeiter der Weingüter in den Keller, schenken von 11 bis 15:30 Uhr aus und beantworten Fragen. Eine Anmeldung oder Teilnahmegebühr ist laut Veranstalter nicht nötig.
Die Verkostung ist unverbindlich: Man kann einzelne Weine auswählen oder das vollständige Line-up in Ruhe vergleichen. Für mich lag der Wert an diesem Tag im direkten Vergleich. Der Wechsel vom Chardonnay zum GAUN, vom PORER zum FÓRRA und später zu LÖWENGANG und COR RÖMIGBERG zeigte deutlicher als eine einzelne Flasche, wie breit das Weingut arbeitet.
Alois Lageder: Südtirol zwischen Familie und Biodynamie
Das Familienweingut Alois Lageder sitzt in Margreid in Südtirol und besteht seit 1823. Heute führt die sechste Generation den Betrieb: Alois Clemens, Helena und Anna Lageder teilen sich Geschäftsführung, Kommunikation, Gastronomie und Veranstaltungen.
Auch die Größenordnung ist für die Einordnung hilfreich. Nach den Angaben des Weinguts werden 55 Hektar eigene Weinberge biodynamisch bewirtschaftet. Dazu kommen 85 Hektar von rund 60 Partnerwinzern. Seit der Ernte 2024 werden alle diese Flächen biologisch oder biodynamisch bearbeitet. Das ist mehr als ein Detail für das Etikett. Die Vielfalt an Höhenlagen, Böden und Rebsorten prägt ein Sortiment, das vom zugänglichen Alltagswein bis zum lange gereiften Lagenwein reicht.
Ich kannte Lageder bereits aus einer privaten Probe im Februar. Dort hatte mich besonders der LÖWENGANG Chardonnay 2022 beschäftigt. Im Kölner Weinkeller stand nun der Jahrgang 2021 neben fünf weiteren Weinen. Der Vergleich machte den Unterschied zwischen Wiedererkennen und genauerem Einordnen aus.
Chardonnay 2025: Der Sommerwein der Probe
Der Alois Lageder Chardonnay 2025 kam offen und rund aus dem Glas. Apfel, viel Saftigkeit, frische Säure und eine sehr leichte Vanillenote gaben sofort Orientierung. Im Nachhall lag eine feine Bitterkeit, die eher für Kontur sorgte, als den Trinkfluss zu stören.
Mit 13,50 Euro war er der günstigste Wein der Reihe und für mich zugleich der klarste Kauf für den aktuellen Sommer. Er verlangt keine lange Beschäftigung und bleibt trotzdem eigenständig genug für ein zweites Glas. Ich würde ihn gut gekühlt zum Aperitif, zu gegrilltem Fisch oder zu einer Pasta mit Zitrone und Kräutern öffnen.
Der Preis und die breite Zugänglichkeit waren am Ende überzeugend genug für eine Kiste. Das ist keine Flasche für einen feierlichen Höhepunkt. Es ist ein verlässlicher Chardonnay für warme Abende, an denen Frische, Saftigkeit und ein wenig Schmelz reichen.
GAUN Chardonnay 2024: Rauch, Spannung und Luft
Der GAUN Chardonnay 2024 kostete 21,90 Euro und wirkte vom ersten Riechen an konzentrierter. Rauchige und mineralische Noten standen deutlich vor der Frucht. Das Weingut beschreibt beim GAUN Salzigkeit und Spannung als Ziel; ein Teil reift im großen Holzfass, ein Teil im Edelstahl.
In meinem Glas lagen die Elemente zunächst etwas nebeneinander. Der Wein wirkte jung und noch nicht vollständig balanciert. Mit Luft wurde er komplexer und fügte sich besser zusammen. Wer ihn jetzt öffnet, sollte ihm deshalb ein großes Glas und Zeit geben. Ein kurzes Probierfenster an der Theke zeigt bei so einem Wein eher die Richtung als den ganzen Weg.
Der GAUN war an diesem Tag anspruchsvoller als der einfache Chardonnay. Mehr Tiefe war vorhanden, der Genuss stellte sich weniger unmittelbar ein. Für einen ruhigen Abend mit Essen ist das interessanter; für die spontane Sommerflasche blieb der 2025er vorne.
PORER und FÓRRA: Zwei Wege zu Frische
Der PORER Pinot Grigio 2024 für 22,90 Euro brachte Birne, eine leichte Rauchigkeit und angenehme Frische. Er wirkte harmonischer als der GAUN und blieb im Mund klar. Beim Ausbau verbindet Lageder direkt gepresste Trauben mit Partien, die kürzer auf den Schalen oder als ganze Trauben vergoren werden. Diese Arbeit an Textur war im Glas spürbar, ohne die Birnenfrucht zu verdecken.
Pinot Grigio kann sehr verschieden auftreten. Eine kräftigere Südtiroler Variante mit Holz habe ich zuletzt bei einer Sommer-Weinprobe mit Burgund und Brunello getrunken. Der PORER setzte an diesem Tag stärker auf Frische, feinen Rauch und eine ruhige Textur. Zu Burrata, gebratenem Zander oder einer Quiche mit Kräutern könnte ich ihn mir gut vorstellen.
Der FÓRRA Manzoni Bianco 2023 für 23 Euro war eigenwilliger. Manzoni Bianco ist eine Kreuzung aus Riesling und Pinot Bianco. Lageder lässt den Wein zehn Tage im großen Holzfass auf den Schalen vergären und anschließend rund neun Monate auf der Hefe reifen.
In der Nase hatte diese Probe eine deutlich reduktive, leicht schwefelige Rauchigkeit. Reduktion entsteht bei sauerstoffarmem Ausbau und kann sich mit Luft verändern. Dahinter kamen Zitrus, Blüten und eine kleine Vanillenote zum Vorschein. Der FÓRRA war damit der Wein, über den ich am längsten nachdenken musste. Seine Art dürfte besonders Menschen gefallen, die bei Weißwein Textur, herbe Töne und Entwicklung im Glas suchen.
LÖWENGANG Chardonnay 2021: Frische trägt das Holz
Beim LÖWENGANG Chardonnay 2021 für 69 Euro spielten Frucht und Holz schon in der Nase eng zusammen. Im Mund kam überraschend viel Frische dazu. Der Wein packte an, blieb dabei ausgewogen und zog mit einem sehr langen Abgang weiter. Säure, Frucht und Holz hatten jeweils Gewicht, ohne sich gegenseitig zu überdecken.
Der Jahrgang 2021 wirkte auf mich straffer und kühler als der LÖWENGANG 2022 aus der Probe im Februar. Das ist ein Eindruck aus zwei einzelnen Flaschen, keine allgemeine Jahrgangsformel. Gerade deshalb war der Vergleich wertvoll: Der 2021er zeigte, wie gut ein großer Chardonnay trotz Holz und Substanz seine Frische behalten kann.
Schon jetzt machte er viel Freude. Gleichzeitig wirkte die Struktur so stabil, dass ich eine weitere Flasche eher noch liegen lassen würde. Wer 69 Euro ausgibt, bekommt hier keine bloße Steigerung des einfachen Chardonnays. LÖWENGANG ist dichter, länger und präziser, verlangt am Tisch jedoch auch mehr Ruhe.
COR RÖMIGBERG 2018: Kirsche, Cassis und langer Nachhall
Der COR RÖMIGBERG Cabernet Sauvignon 2018 für 54 Euro beendete die Probe. Der Wein stammt aus einer steilen Lage am Kalterer See, die mit Cabernet Sauvignon und Petit Verdot bepflanzt ist. Im kleinen Probeschluck steckte so viel Duft, dass Eile keine Rolle spielte.
Rote, süß wirkende Kirsche stand zuerst im Glas, dazu ein Hauch Erdbeere. Im Mund wurde die Frucht von präsenter Säure und Tannin getragen. Cassis, Leder und Zedernholz kamen mit mehr Luft dazu. Das erinnerte mich an eine klassische Cabernet-Aromatik, die Frucht und herbe Würze verbindet.
Der Abgang war komplex und sehr lang. Für mich war COR RÖMIGBERG neben dem LÖWENGANG der stärkste Wein des Tages. Beide lösten ihre Aufgabe anders: LÖWENGANG über Frische, Holz und Balance, COR RÖMIGBERG über Duft, Tannin und würzige Tiefe. Zum roten Wein würde ich Lamm, Wild oder ein kräftiges Schmorgericht einplanen und die Flasche früh öffnen.
Welche Flasche lohnt sich für wen?
Für einen warmen Abend und eine größere Runde ist der Chardonnay 2025 meine klare Wahl. Er war saftig, frisch und mit 13,50 Euro so kalkuliert, dass man ihn ohne feierlichen Anlass öffnen kann.
Wer mehr Textur und Eigenart sucht, findet bei PORER den harmonischeren, bei FÓRRA den kantigeren Weg. GAUN braucht aktuell Luft und Aufmerksamkeit. Ich würde ihn zu Essen probieren und nicht als schnelles Glas beurteilen.
LÖWENGANG 2021 und COR RÖMIGBERG 2018 sind Flaschen für einen geplanten Abend. Der LÖWENGANG passt zu Menschen, die großen Chardonnay mit Holz, Säure und Länge mögen. COR RÖMIGBERG spricht Cabernet-Freunde an, die Kirsche, Cassis, Zedernholz und tragendes Tannin suchen.
Wer selbst mehrere große Flaschen nebeneinanderstellen möchte, findet in der Nikolaus-Weinprobe 2025 Hinweise zu Reihenfolge, Luft und Reserveflasche. Beim Winzertalk übernimmt das Weingut den Aufbau. Man muss nur probieren, vergleichen und sich genug Zeit im Gewölbe lassen.
Der Winzertalk zeigte Alois Lageder in einer sinnvollen Spannweite: Der Chardonnay 2025 war der beste Kauf für den Sommer, PORER der harmonischste Wein im Mittelfeld, LÖWENGANG 2021 der ausgewogenste Weißwein und COR RÖMIGBERG 2018 der eindrucksvollste rote Abschluss. Solche offenen Termine lohnen sich besonders, wenn man das gesamte Line-up probiert und nicht nur auf die teuerste Flasche zusteuert.



