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Chablis Mont-Main Sourdelle 2022 von Jean Dauvissat: Zitrus und Spannung zum gegrillten Hähnchen

Zitrone, weißer Pfirsich und straffe Säure. Probiert als Aperitif und zu gegrilltem Hähnchen, rund 28 Euro.

Chablis Mont-Main Sourdelle 2022 von Jean Dauvissat: Zitrus und Spannung zum gegrillten Hähnchen

Ein warmer Juliabend auf der Terrasse, der Grill heizt vor, und im Weinkühler steht ein Chablis: der Mont-Main Sourdelle 2022 der Domaine Jean Dauvissat Père et Fils. Das erste Glas gab es als Aperitif, noch bevor das Hähnchen auf dem Rost lag, den Rest der Flasche dann zum Essen. Genau in dieser Reihenfolge zeigt der Wein zwei unterschiedliche Gesichter.

Kurz & Knapp
  • Wein: Domaine Jean Dauvissat Père et Fils, Chablis "Mont-Main Sourdelle", 2022, Chablis AOP (Burgund), Chardonnay
  • Stil: Straffer, mineralischer Chablis mit betonter Säure und klarer Zitrusfrucht.
  • Preisbereich: 28 Euro.
  • Passt für: Freunde säurebetonter, kühler Weißweine, als Aperitif oder zu Gegrilltem mit hellem Fleisch.
  • Passt eher nicht für: Alle, die mit spürbarer Säure im Wein wenig anfangen können.

Was ist das für ein Wein?

Chablis ist der nördlichste Vorposten des Burgunds und immer reinsortiger Chardonnay. “Mont-Main Sourdelle” ist dabei kein Fantasiename, sondern benennt die Herkunft der Trauben rund um das Dorf Beines genauer. Solche Flurnamen auf einem Dorfwein-Etikett funktionieren wie ein Lieu-dit; was dahintersteckt, steht im Artikel über die kleinen Wörter auf dem Burgund-Etikett.

Das Etikett ist ungewöhnlich auskunftsfreudig: 48 Jahre alte Reben, Ernte am 10. September 2022, gefüllt im Januar 2024, insgesamt 5.713 Flaschen und 200 Magnums. Wer solche Angaben mag, bekommt hier eine kleine Betriebsbesichtigung im Vorbeigehen.

Was im Glas war

In der Nase und am Gaumen führen Zitrone und Limette, dahinter eine ganz dezente Vanillenote und ein Eindruck, der in Richtung weißer Pfirsich geht. Der Wein ist mineralisch und trägt eine straffe, präsente Säure, die den ganzen Schluck strukturiert. Was mineralisch bei einem Wein wie diesem meint, steht ausführlicher im Artikel über Terroir und Mineralität.

Als Aperitif fordert der Wein deshalb ein wenig: Die Säure steht deutlich im Vordergrund, ohne dass der Wein dabei unausgewogen wirkt. Frucht, Frische und Struktur bleiben in der Balance, nur eben auf der spannungsgeladenen Seite. Wer säurebetonte Weißweine mag, ist hier richtig; wer nach einem Schluck Sauvignon Blanc schon das Gesicht verzieht, greift besser zu etwas Rundem.

Zum gegrillten Hähnchen

Mit dem Essen ändert sich das Bild. Zum gegrillten Hähnchen relativiert sich die Säure spürbar, sie schneidet durch die Röstaromen und das Fett der Haut, und die Zitrusaromen des Weins harmonieren mit dem Fleisch, als hätte jemand eine Zitrone übers Hähnchen gepresst. Aus dem fordernden Aperitif wird ein präziser Essensbegleiter. Genau dafür würde ich die Flasche wieder öffnen: gut gekühlt, zu einfachem Gegrilltem mit hellem Fleisch.

KORKLESE-Einordnung

Für 28 Euro bekommt man hier einen ernsthaften, herkunftsgenauen Chablis mit alten Reben und viel Spannung. Seine straffe Säure sollte man mögen oder ihm etwas zu essen an die Seite stellen. Wer kühle, mineralische Chardonnays schätzt und einen Vergleich südlich von Chablis sucht, findet im Bericht von der Wanderung von Meursault nach Puligny-Montrachet mit dem Puligny-Montrachet “Les Meix” einen weiteren Chardonnay mit kühler, mineralischer Spannung.

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Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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