Belugalinsen-Risotto mit Speck und Champignons ist ein Teller mit Substanz: Rauch, Röstaromen, dazu der erdige Ton der Pilze. Ein Pinot Noir dazu ist eine kleine Wette, weil die Rebsorte selten mit Kraft gewinnt. Im Glas stand der Sancerre Rouge “Les Pichons” 2020 von Paul Prieur et Fils.
- Wein: Paul Prieur et Fils, Sancerre Rouge "Les Pichons", 2020, Loire; Pinot Noir
- Stil: Für Pinot Noir ungewöhnlich dunkel und dicht, mit kühler Frucht und anfangs spürbaren Tanninen.
- Preisbereich: 35 Euro pro Flasche (bestellt bei welcher-wein.com im Dezember 2024).
- Passt für: Kräftige, erdige Gerichte mit Pilzen, Linsen oder Speck.
- Passt eher nicht für: Alle, die bei Sancerre ausschließlich an Sauvignon Blanc denken.
Was in der Flasche steckt
Sancerre steht bei den meisten für Weißwein aus Sauvignon Blanc. Die Appellation kennt aber auch Rot, und dort ist Pinot Noir die Rebsorte. Genau diese Seite der Region hatte uns schon auf unserer Weinreise nach Verdigny und Sancerre überrascht, wo der rote Sancerre neben den berühmten Weißweinen deutlich mehr war als eine Fußnote auf der Karte.
Kennengelernt habe ich den Wein Ende November 2024 bei einem Freund, der den 2019er in eine Weinprobe gestellt hatte. Der 2019er hat mich an dem Abend so überzeugt, dass kurz darauf sechs Flaschen des 2020ers bei mir standen, bestellt bei welcher-wein.com für 35 Euro pro Flasche.
Der Jahrgangswechsel ist dabei deutlich zu schmecken. Der 2020er gibt sich weniger großzügig und zugänglich als der 2019er, wirkt dafür dichter und konzentrierter. Dasselbe Muster war uns im August 2025 in Verdigny schon einmal begegnet: Bei Domaine Roger Neveu tranken wir den Sancerre Rouge “Esprit d’autrefois” 2019 im Restaurant und später den 2020er beim Winzer, und auch dort war der jüngere Jahrgang der verschlossenere von beiden.
Was im Glas war
Optisch ist der Wein die erste kleine Überraschung. Für einen Pinot Noir sieht er dunkler und dichter aus, als man es von der Rebsorte erwartet. Die Nase bleibt dagegen klassisch: frische Walderdbeeren und Kirschen, dahinter ein Hauch Waldboden.
Am Gaumen wird die Frucht dunkler. Reife Himbeere und dunkle Kirsche tragen den Wein, dazu kommt eine feine, kühle Note, die ihn straff und wach hält. Die Tannine standen am Anfang klar im Raum. Nach einer Weile im Glas wurden sie weicher und legten sich ruhig unter die Frucht.
Essen dazu
Das Risotto hätte diesen Wein leicht zudecken können. Speck, Röstaromen und Linsen bringen viel Wucht auf den Löffel, und in den ersten Minuten sah es auch danach aus. Dann drehte sich die Richtung: Die nussigen, pilzigen Aromen aus Linsen und Champignons und die rauchige Note des Specks schoben die rote Frucht im Wein nach vorn, statt sie zu überdecken. Die weicher gewordenen Tannine hatten am Ende genau die richtige Größe für das Gericht.
Dass Pinot Noir und Pilze so gut zusammengehen, ist kein Zufall. Waldboden im Glas und Umami auf dem Teller ziehen in dieselbe Richtung, wie im Pilz-Kapitel des Pasta-Guides beschrieben. Ein Linsenrisotto mit Speck verhält sich sehr ähnlich, nur mit einer rauchigen Ebene mehr.
Alternativen
- Domaine Roger Neveu, Sancerre Rouge “Esprit d’autrefois”: gleiche Appellation, an der Loire in zwei Jahrgängen probiert, samtiger in der Textur und mit hellerer roter Frucht.
- Pinot Noir aus dem Burgund: Wer die kühle, erdige Richtung mag und mehr Filigranität sucht, findet sie zum Beispiel in einem Maranges, den der Pasta-Guide bei den Pilzsaucen empfiehlt.
KORKLESE-Einordnung
Für 35 Euro bekommt man hier einen Sancerre Rouge, der mehr Farbe, Druck und Struktur mitbringt, als der Ruf der Appellation vermuten lässt, und der trotzdem die kühle Frucht behält, wegen der man Pinot Noir von der Loire trinkt. Er braucht kein zartes Essen. Er kommt mit Pilzen, Linsen und Speck sehr gut zurecht und wird dabei sogar besser.
Wer eine Flasche liegen hat: Es eilt nicht. Die restlichen Flaschen bleiben bei mir im Keller, und ich werde alle paar Jahre eine öffnen, um zu sehen, wohin sich der dichtere 2020er noch entwickelt.



