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Taste the Icons im Kölner Weinkeller: Fünf Ikonen, frisch aus der Flasche

Sassicaia, Opus One, Cos d'Estournel 2010, Les Chaumes 2019 und Egon Müllers Kabinett: Fünf Ikonen im Kölner Weinkeller kostenlos per Coravin probiert.

Fünf Weinflaschen nebeneinander auf einem hellen Holztisch: Château Cos d'Estournel 2010, Opus One 2018, Sassicaia 2020, Méo-Camuzet Vosne-Romanée Les Chaumes 2019 und Egon Müller Scharzhofberger Kabinett 2022

Am 9. September 2026 war ich wieder im Kölner Weinkeller in Braunsfeld. Ein Bekannter hatte mich auf eine Aktion hingewiesen, die auf der Website des Händlers steht und dort ziemlich leise angekündigt wird: Taste the Icons. Eine Woche lang, vom 7. bis zum 12. September, schenkt der Keller fünf Weine aus, die man sonst eher aus Artikeln und Videos kennt als aus dem eigenen Glas: Sassicaia 2020, Opus One 2018, Château Cos d’Estournel 2010, einen Vosne-Romanée Premier Cru von Méo-Camuzet und den Scharzhofberger Kabinett 2022 von Egon Müller. Auf der Verkostungsliste standen dazu Flaschenpreise zwischen 189 und 399 Euro. Die Probe selbst kostete nichts.

Das Angebot klang zugleich verlockend und verblüffend. Für ein organisiertes Tasting mit Weinen dieser Klasse zahlt man anderswo leicht einen dreistelligen Betrag. Hier reichte es, einen der Weinberater im Gewölbe anzusprechen. Er führte mich in die Schatzkammer: ein separater Bereich am Ende des großen Gewölbekellers, in der Regel verschlossen, in dem die teuren und älteren Weine lagern und besondere Veranstaltungen und Tastings stattfinden. Dort bot er mir einen Platz und ein Glas an, und dann ging es los.

Kurz gesagt
  • Anlass: Aktion „Taste the Icons" im Kölner Weinkeller vom 7. bis 12. September 2026, probiert am 9. September, ohne Gebühr und ohne Anmeldung.
  • Weine: Méo-Camuzet Vosne-Romanée 1er Cru „Les Chaumes" 2019, Sassicaia 2020, Opus One 2018, Château Cos d'Estournel 2010 und Egon Müller Scharzhofberger Kabinett 2022.
  • Ausschank: Aus dem 16-Grad-Weinkühlschrank per Coravin direkt aus der Flasche, also praktisch ohne zusätzliche Luft.
  • Überraschungen: Der junge Sassicaia machte jetzt schon Freude, Opus One schmeckte wie ein klassischer Médoc, der 2010er Cos war sofort offen.
  • Höhepunkt: Der Scharzhofberger Kabinett zum Schluss, bei dem Ausspucken keine Option mehr war.
  • Preise: Am Verkostungstag zwischen 189 und 399 Euro je 0,75-Liter-Flasche.

So läuft Taste the Icons ab

Der Ablauf ist einfach. Laut Ankündigung des Kölner Weinkellers spricht man während der Aktionswoche einen der Sommeliers an und bekommt die fünf Weine zur Verkostung eingeschenkt, solange der Vorrat reicht. Das Format erinnert an den Winzertalk mit Alois Lageder im Juni, diesmal ohne Weingut am Tisch und mit deutlich teureren Flaschen.

Die Flaschen kamen aus einem Weinkühlschrank mit 16 Grad und wurden per Coravin ausgeschenkt. Dabei sticht eine Nadel durch den Korken, Argon ersetzt den entnommenen Wein, der Korken bleibt, wo er ist. Für die Probe bedeutet das: Die Weine hatten praktisch keine zusätzliche Luft bekommen, keinen Dekanter, keine offene Flasche vom Vortag. Für so junge Weine ist das eine strenge Prüfung. Wie sie ausging, hat mehr als eines meiner Vorurteile auf die Probe gestellt.

Meine erste Frage an den Weinberater war deshalb, warum der Keller so junge Weine ausschenkt, die nach meiner Laieneinschätzung noch lange nicht fertig sind. Seine Antwort war charmant und nüchtern zugleich: Ob man solche Weine jetzt oder in Jahren trinken solle, sei Ansichtssache, und das seien nun einmal die Jahrgänge, die der Keller gerade im Angebot hat. Beides stimmt. Die Liste auf dem Tisch nannte zu jedem Wein den Preis und eine Punktzahl von Parker oder Suckling. Meine Reihenfolge am Ende des Nachmittags sah anders aus als die der Punkte.

Verkostungsliste, fünf Weinflaschen in einer Reihe, dahinter ein Coravin, und ein leeres Weinglas auf einem hellen Holztisch im Kölner Weinkeller
Der Aufbau in der Schatzkammer: Verkostungsliste, fünf Flaschen und ein Glas. Hinter dem Opus One steht der Coravin.

Vosne-Romanée „Les Chaumes” 2019: Der Duft allein hätte gereicht

Den Anfang machte der Burgunder: Domaine Méo-Camuzet, Vosne-Romanée Premier Cru „Les Chaumes” 2019, Pinot Noir von der Côte de Nuits, 249 Euro auf der Liste. Schon der Duft war umwerfend, fruchtig, würzig, vielschichtig. Ich hätte auch nur an diesem Glas riechen können und wäre zufrieden nach Hause gegangen.

Im Mund blieb der Wein frisch und sehr harmonisch in der Frucht: Kirsche und Himbeere, fast likörartig verdichtet, dazu eine einladende Opulenz, die den Wein trotzdem leichtfüßig lässt. Die Länge war beeindruckend. Sieben Jahre nach der Ernte und direkt aus der Flasche war daran nichts verschlossen. Wie sich die Zeilen Premier Cru und Lagenname auf so einem Etikett lesen, steht im Artikel über Climat, Clos, Lieu-dit und Monopole.

Flasche Domaine Méo-Camuzet Vosne-Romanée Premier Cru Les Chaumes 2019 neben einem Glas Rotwein auf hellem Holztisch
Erster Wein der Reihe: Vosne-Romanée Premier Cru „Les Chaumes" 2019 von Méo-Camuzet, per Coravin ins Glas.

Sassicaia 2020: Jung und trotzdem mit Freude zu trinken

Beim Sassicaia 2020 von Tenuta San Guido (299 Euro) war ich überzeugt, dass er jetzt noch nicht trinkbar sein kann. In vielen Videos und Artikeln hatte ich gelesen, ein zu jung geöffneter Sassicaia mache kaum Freude, weil die ungestümen Tannine den Geschmack dominieren. Sassicaia ist der Wein, der Bolgheri an der toskanischen Küste bekannt gemacht hat, ein Cabernet-Sauvignon-geprägter Rotwein mit einer eigenen Herkunftsbezeichnung, die auf dem Etikett steht: Bolgheri Sassicaia.

Mein Eindruck war ein anderer. Kirsche, Cassis, frische Säure, im Nachgang ein Tannin, das deutlich weniger aufdringlich war als erwartet. Für mich war trotzdem klar erkennbar, dass ich keinen klassischen Bordeaux im Glas hatte. Für sein Alter zeigte der Wein eine erstaunliche Trinkfreude. Nach dieser Probe würde ich jedenfalls niemandem raten, ihn zwanzig Jahre wegzusperren.

Opus One 2018: Mehr Médoc als Napa

Wer den Namen Opus One einmal gehört hat, weiß, dass hier eine Ikone im Glas ist: das Gemeinschaftsprojekt von Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild im Napa Valley, Jahrgang 2018, mit 399 Euro der teuerste Wein der Liste. Ich hatte das Klischee im Kopf: ein klassischer Bordeaux-Verschnitt, dazu opulente kalifornische Frucht und amerikanische Eiche.

Auch hier habe ich etwas gelernt. Der Wein zeigte sich als klassischer, leicht gereifter Bordeaux-Stil: Cassis, eine rostige Note, Zedernholz und Zigarrenkiste. Das Tannin war für mich deutlich präsenter als beim Sassicaia. Weniger Trinkfreude, dafür balanciert und beeindruckend. In einer Blindprobe hätte ich ihn ziemlich sicher ins Médoc einsortiert.

Beim Preis bin ich anderer Meinung als die Liste. 399 Euro halte ich nach dieser Probe für völlig daneben, ich hätte mehr Kraft und mehr Frucht erwartet. Für 50 bis 70 Euro wäre das für mich ein solider Kauf gewesen. Das ist der Eindruck eines Nachmittags aus einem Coravin-Schluck, und ein Wein darf auch mal einen zurückhaltenden Tag haben. An der Preiseinschätzung ändert das für mich nichts.

Flasche Opus One 2018 im Vordergrund, dahinter Sassicaia 2020 und ein Weinglas auf hellem Holztisch
Opus One 2018 vor Sassicaia 2020: Auf der Liste liegt der Napa-Wein 100 Euro höher, in meinem Glas lag der Bolgheri vorn.

Château Cos d’Estournel 2010: Sofort offen, von Reifetönen bestimmt

Beim Château Cos d’Estournel 2010 aus Saint-Estèphe, 1855 klassifiziert und mit 339 Euro auf der Liste, hatte ich mit Luftbedarf gerechnet. Einen Pontet-Canet aus demselben Jahrgang hatte ich vor einiger Zeit getrunken, und der brauchte spürbar Zeit, bis er sich öffnete. Der Cos war dagegen im Glas faszinierend offen, direkt aus der Flasche.

Seine Ausprägung hat mich allerdings nicht vollends überzeugt. Eine relativ kräftige Stallnote schob sich nach vorn, während die Cassis-Frucht im Hintergrund blieb. Diese Note, die an Leder und Pferdestall erinnert, wird meist auf die Hefe Brettanomyces zurückgeführt und ist bei gereiftem Bordeaux keine Seltenheit. In kleiner Dosis gehört sie für viele zum Charakter, hier gab sie den Ton an. Der Wein wirkte balanciert, aber von Tertiäraromen bestimmt, also von den Reifetönen, die mit den Jahren die Frucht ablösen.

Scharzhofberger Kabinett 2022: Ausspucken war keine Option mehr

Zum Schluss etwas ganz anderes, und ebenfalls eine Ikone: der Scharzhofberger Kabinett 2022 von Egon Müller, Riesling von der Saar, die weinrechtlich zur Mosel gehört, mit 8,5 Prozent Alkohol laut Etikett und 189 Euro auf der Liste. Kabinett ist die leichteste Prädikatsstufe, hier mit deutlicher Restsüße.

Süße und Säure griffen faszinierend und sehr harmonisch ineinander: grüner Apfel, Pfirsich, Limette, lang und präzise. Der Wein geht sehr leicht runter und will getrunken werden, und der lange Abgang lässt einen innehalten. Beim letzten Schluck war Ausspucken keine Option mehr. Das war der krönende Abschluss dieser Reihe.

Auch dieser Wein sagte an keiner Stelle: Versteck mich, ich muss alt werden. Ein Kabinett dieser Art passt zu asiatischen Gerichten mit etwas Schärfe und funktioniert genauso gut für sich allein.

Aufsteller mit der Verkostungsliste Taste the Icons: fünf Weine mit Preisen je 0,75 Liter auf einem hellen Holztisch
Die Verkostungsliste mit Preisen und Punktzahlen: Der günstigste Wein der Reihe war für mich der stärkste Abschluss.

Was ich aus dieser Probe mitnehme

Die wichtigste Erkenntnis betrifft die Luft. Einigen Weinen, denen ich ohne Dekanter wenig zutraue, werde ich künftig öfter eine Bühne direkt aus der Flasche geben. Fünf Ikonen ohne jede Belüftung, und keiner davon war verschlossen. Beim Nikolausabend 2025 hatte ein Pomerol dagegen Stunden in der Karaffe gebraucht. Beide Erfahrungen gelten. Wie viel Luft ein Wein braucht, zeigt sich am zuverlässigsten beim ersten Schluck aus der Flasche.

Dazu kamen ein paar Vorurteile, die den Nachmittag nicht überstanden haben: dass ein junger Sassicaia keine Freude macht, dass Opus One nach Napa schmecken muss, dass jeder 2010er Bordeaux erst einmal Luft braucht, dass ein großer Kabinett alt werden will.

Und der Preis? Mit 189 bis 399 Euro je Flasche sind das Weine, die die meisten von uns selten oder nie kaufen werden. Der Wert der Probe liegt woanders. Man bekommt fünf Referenzpunkte für den eigenen Gaumen, kann Bolgheri neben Médoc und Napa stellen und merkt, wie verschieden „groß” schmecken kann. Dafür ist ein kostenloser Nachmittag in Braunsfeld eine gute Gelegenheit.

Wer es in dieser Woche noch schafft oder bei einer nächsten Auflage dabei ist: Zeit mitbringen und die Reihenfolge selbst wählen. Ich habe mit dem Burgunder begonnen, dann die drei Cabernet-geprägten Roten probiert und den Riesling ans Ende gesetzt. Ausspucken ist erlaubt und bei fünf Weinen am Nachmittag auch vernünftig. Bis zum Kabinett jedenfalls.

KORKLESE-Einordnung

Taste the Icons ist eine Verkaufsaktion, und der Keller hat an diesen Flaschen ein Interesse. Für die Probe habe ich nichts bezahlt, eine Einladung durch den Händler gab es nicht, die Aktion stand jedem offen. Für Leser ist so eine Woche eine seltene Gelegenheit, fünf Weine dieser Klasse nebeneinander zu probieren. Mein Nachmittag ergab eine klare Reihenfolge: der Scharzhofberger Kabinett und der Vosne-Romanée von Méo-Camuzet als die beiden Weine, die mich am meisten begeistert haben, der Sassicaia als größte Überraschung, Cos d'Estournel als eigenwilligster Wein und Opus One als der, dessen Preis ich nicht nachvollziehen kann.

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Tim Sotomayor

Schreibt KORKLESE aus Köln: selbst besuchte Orte, selbst probierte Flaschen.

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