# Rebstockpacht im Rheingau: Bei der Pächterlese des Weinguts Trenz

> Zweimal Pächterlese beim Weingut Trenz in Johannisberg: Lese mit Eimer und Rebschere, Picknick zwischen den Reben, Kellerführung und Menü im Gutsausschank.

- Rubrik: Reisen
- Autor: Tim Sotomayor
- Veröffentlicht: 2026-07-12
- Themen: Rheingau, Riesling, Pinot Noir
- Kanonische URL: https://korklese.de/reisen/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/

---

Zu Weihnachten schenkten uns meine Schwiegereltern eine Rebstockpacht beim Weingut Trenz in Johannisberg. Vom Weingut hatten wir bis dahin noch nie gehört, und auch mit dem Rheingau verbanden uns kaum eigene Erfahrungen. Das Geschenk hat das gründlich geändert: 2018 und 2019 standen wir bei der Rebstock-Pächterlese selbst mit Eimern und Rebschere in den Weinbergen, aßen mittags zwischen den Reben und saßen abends im Gutsausschank vor einem Menü mit Weinbegleitung.

Die Urkunde selbst ist eine hübsche Geste. Der Kern des Geschenks zeigt sich im Herbst, wenn das Weingut seine Pächterinnen und Pächter zur Lese einlädt.

<div class="article-summary">
  <strong>Kurz gesagt</strong>
  <ul>
    <li><strong>Anlass:</strong> Rebstockpacht als Weihnachtsgeschenk, eingelöst bei der Pächterlese 2018 und 2019 beim Weingut Trenz in Johannisberg im Rheingau.</li>
    <li><strong>Ablauf:</strong> Sektempfang am Weingut, gut eine Stunde Handlese, Picknick in den Weinbergen, danach Kellerführung am Weingut.</li>
    <li><strong>Abends:</strong> Drei-Gänge-Menü mit Weinbegleitung im Gutsausschank, damals rund 90 Euro pro Person.</li>
    <li><strong>Heute:</strong> Lesetermine an den letzten beiden September- und dem ersten Oktoberwochenende, Teilnahme knapp 40 Euro pro Person.</li>
  </ul>
</div>

## Was eine Rebstockpacht ist

Die Idee ist einfach: Für die Laufzeit der Pacht trägt ein Rebstock in einem der Weinberge ein Schild mit dem eigenen Namen, dazu gibt es eine Urkunde mit dem genauen Standort. Bei Trenz stehen zwei Lagen zur Wahl, die Parzelle Steinhaus in der Johannisberger Hölle und der Winkeler Dachsberg, beide etwa zehn Minuten zu Fuß vom Weingut entfernt. Man darf seine Rebe jederzeit besuchen, und jedes Jahr gehört eine Flasche Wein aus dem gepachteten Weinberg dazu.

Unser Zertifikat lief über drei Jahre, unser Rebstock stand in der Johannisberger Hölle. Die eigene Pflanze zu besuchen ist erst einmal eine nette Spielerei: Man steht im Hang, sucht das Schild und grinst. Der praktische Wert steckt in der jährlichen Einladung zur Pächterlese, bei der man für einen Beitrag von knapp 40 Euro pro Person einen Tag lang Teil der Ernte ist.

## Weinbau seit 1670: Das Weingut Trenz

Johannisberg gehört heute zu Geisenheim und ist einer der bekanntesten Weinorte des Rheingaus; über den Reben liegt Schloss Johannisberg, um das sich die Legende vom verspäteten Kurier und der ersten Spätlese rankt. Die Familie Trenz baut hier seit 1670 Wein an, seit 1998 führt Michael Trenz das Weingut. Im Sortiment dominiert Riesling, dazu kommt Spätburgunder; die Lagen reichen von der Johannisberger Hölle und Mittelhölle über den Winkeler Hasensprung bis zum Rüdesheimer Magdalenenkreuz.

Die Hölle trägt ihren Namen übrigens ganz ohne Drama: Er geht auf „Halde" zurück, das alte Wort für einen steilen Hang, und urkundlich taucht die Lage schon um 1180 als „helda in monte sancti Johannis" auf. Der Hang zieht sich von Schloss Johannisberg nach Süden hinunter, im Boden Löss und Lehm über Taunusquarzit. Warum solche Böden in Verkostungsnotizen gern als [mineralisch](/wissen/was-bedeutet-mineralisch-beim-wein/) beschrieben werden, habe ich an anderer Stelle ruhig eingeordnet.

Der Rheingau insgesamt umfasst gut 3.100 Hektar, und kein deutsches Anbaugebiet pflanzt anteilig mehr Riesling. Dass unsere ersten eigenen Rheingau-Erfahrungen ausgerechnet an einem Erntetag entstanden, war rückblickend ein Glücksfall.

## Der Vormittag: Sekt, Eimer, Erntescheren

Die Pächterlese wird an mehreren Wochenenden in der Lesezeit angeboten, im September und Oktober. Los ging es bei unseren Besuchen mit einem Empfang am Weingut: hauseigener Rieslingsekt, ein alkoholfreier Traubensecco, dazu Laugengebäck und Kaffee.

Danach zogen alle gemeinsam in den Weinberg. Ausgerüstet mit großen Eimern, Erntescheren und ein paar Hinweisen, welche Trauben in den Eimer gehören, haben wir beide Male eine gute Stunde geerntet. Das klingt kurz, reicht aber, um Respekt vor der Handlese zu entwickeln: Wer mehrmals zwei volle Eimer den Hang hinauf zum Traktor getragen hat, weiß, warum Lesehelfer abends müde sind.

<figure class="article-figure-portrait">
  <picture>
    <source srcset="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/paechterlese-eimer-trauben.webp" type="image/webp">
    <img src="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/paechterlese-eimer-trauben.jpg" alt="Zwei Eimer voller heller Trauben zwischen den Rebzeilen bei der Pächterlese" width="1000" height="1224" loading="lazy">
  </picture>
  <figcaption>Zwei volle Eimer: Von hier geht die Ernte weiter zum Traktor.</figcaption>
</figure>

Auch Konzentration gehört dazu. In der großen Gruppe gab es jedes Mal einzelne kleine Schnittverletzungen, auf die das Weingut mit Pflastern, Desinfektionsmittel und Verband gut vorbereitet war. Die Stimmung blieb trotzdem durchgehend gelöst, auch weil der Inhaber, sein Kellermeister und weitere Mitarbeiter des Weinguts mittendrin standen und mit Rat und Tat halfen. Man arbeitet für ein paar Stunden in echten Abläufen mit; mehr Nähe zu einem Weingut bekommt man als Gast selten.

<figure>
  <picture>
    <source srcset="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/rebschere-dunkle-trauben.webp" type="image/webp">
    <img src="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/rebschere-dunkle-trauben.jpg" alt="Rebschere hängt am Drahtrahmen über dunklen Trauben im Weinberg" width="1400" height="1050" loading="lazy">
  </picture>
  <figcaption>Werkzeug der Stunde: Ohne Rebschere geht bei der Handlese nichts.</figcaption>
</figure>

## Picknick zwischen den Reben

Im Anschluss an die Lese gab es jedes Mal ein Mittagessen auf langen Holzbankgarnituren mitten in den Weinbergen, entfernt von den großen Straßen, ringsherum nur Reben. Auf den Tischen standen die Gutsweine des Hauses, Riesling und Pinot Noir, dazu Apfelschorle und Wasser; auf den Tellern Kartoffelsalat, Nudelsalat, Krautsalat, Würstchen und Laugengebäck. Nach einem Vormittag im Hang war das genau richtig.

## Zurück im Weingut: Blick in den Keller

Am Weingut gab es anschließend Details zur laufenden Ernte und eine Kellerführung, vorbei an großen Edelstahltanks und gelagerten Flaschen. Hängen geblieben sind vor allem die Erklärungen zu den verschiedenen Ausbauvarianten und zur Restsüße der Weine, die dort noch reiften. Heute schließt die Pächterlese laut Weingut mit einer Weinprobe ab.

<figure class="article-figure-portrait">
  <picture>
    <source srcset="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/keller-edelstahltanks-sekt.webp" type="image/webp">
    <img src="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/keller-edelstahltanks-sekt.jpg" alt="Edelstahltanks mit Kreideaufschrift Sekt im Keller des Weinguts Trenz" width="1000" height="1333" loading="lazy">
  </picture>
  <figcaption>Kreide statt Etikett: In diesen Tanks reift unter anderem der Sekt des Hauses.</figcaption>
</figure>

## Abends im Gutsausschank: Drei Gänge mit Weinbegleitung

Wer an der Pächterlese teilnahm, konnte sich in unseren Jahren zusätzlich für ein Abendessen im Gutsausschank anmelden: ein Drei-Gänge-Menü mit Weinbegleitung für rund 90 Euro. Wir haben das beide Male gemacht und beide Male nicht bereut.

2018 kam Ochsenschwanzragout im Weckglas mit pochiertem Wachtelei auf den Tisch, danach Hirschkalbsrücken unter der Macadamianusskruste mit zweierlei Blumenkohl und Roter Bete, zum Schluss ein Schokoladen-Nuss-Küchlein mit Birnenragout und Kürbiskern-Vanille-Eis. Dazu standen nacheinander der Johannisberger Mittelhölle Riesling Erstes Gewächs 2016, der Pinot Noir Barrique 2015 und zum Dessert die restsüße Johannisberger Hölle Riesling Auslese 2009 im Glas.

2019 begann der Abend mit Blumenkohlmousse, Krustentier-Gelee, gebratener Garnele und Mango-Chili-Chutney, gefolgt von rosa gebratener Barbarie-Entenbrust auf Spitzkohl mit Sellerie-Kartoffel-Espuma; zum Abschluss eine Apfel-Kardamom-Tarte mit Karamellsauce und weißem Mokka-Eis. Begleitet wurde das vom Johannisberg Alte Reben Riesling 2015, vom Pinot Noir Barrique 2012 und noch einmal vom Mittelhölle Riesling Erstes Gewächs 2016.

<div class="article-gallery">
  <figure>
    <picture>
      <source srcset="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/gutsausschank-hauptgang-2018.webp" type="image/webp">
      <img src="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/gutsausschank-hauptgang-2018.jpg" alt="Hirschkalbsrücken mit Nusskruste an zweierlei Blumenkohl und Roter Bete im Gutsausschank Trenz" width="1000" height="1333" loading="lazy">
    </picture>
    <figcaption>Hauptgang 2018: Hirschkalbsrücken unter der Macadamianusskruste, dazu der Pinot Noir Barrique 2015.</figcaption>
  </figure>
  <figure>
    <picture>
      <source srcset="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/gutsausschank-vorspeise-2019.webp" type="image/webp">
      <img src="/images/rebstock-paechterlese-trenz-rheingau/gutsausschank-vorspeise-2019.jpg" alt="Blumenkohlmousse mit gebratener Garnele und Mango-Chili-Chutney auf weißem Teller" width="1000" height="1333" loading="lazy">
    </picture>
    <figcaption>Auftakt 2019: Blumenkohlmousse mit Garnele, im Glas der Johannisberg Alte Reben Riesling 2015.</figcaption>
  </figure>
</div>

Das Essen war hochwertig, der Service aufmerksam, und die Weine passten so gut zu den Gängen, dass wir das Menü im Verdacht hatten, auf die Weine hin komponiert zu sein. Ein Detail, das man bei Weinbegleitungen selten erlebt: Nachschenken war wiederholt kein Problem. Rechnen kann sich so ein Abend für das Weingut kaum, denn für rund 90 Euro bekam man Küche und Weine, die anderswo deutlich mehr gekostet hätten. Wir haben ihn als das genommen, was er vermutlich sein soll: eine Einladung, das Haus von seiner besten Seite kennenzulernen.

Der Zusatz Erstes Gewächs auf den Flaschen von damals ist inzwischen Weingeschichte. So hieß im Rheingau die Spitzenkategorie für trockene Weine aus klassifizierten Lagen; ab dem Jahrgang 2018 wurde sie vom Rheingau Großes Gewächs abgelöst, und auf jüngeren Trenz-Etiketten taucht der alte Zusatz deshalb nicht mehr auf.

## Was mit nach Köln fuhr

Ganz ohne Einkauf sind wir nie abgereist. 2018 nahmen wir zwei Flaschen des Mittelhölle Riesling Erstes Gewächs 2016 mit, 2019 wanderten sechs Flaschen Pinot Noir Barrique 2012 in den Kofferraum, derselbe Wein, der abends die Entenbrust begleitet hatte. 2020 haben wir die Lese ausfallen lassen, waren aber für ein Mittagessen im Gutsausschank vor Ort und haben die Flaschen aus der Rebstockpacht abgeholt. Dazu kamen je zwei Flaschen Riesling Alte Reben 2018, Riesling Mittelhölle 2017 und Pinot Noir Reserve 2018, der Nachfolger des Barrique mit etwas weniger Holz im Ausbau.

## Für wen sich die Pächterlese lohnt

Die Pächterlese passt für alle, die eine Weinlese einmal selbst erleben wollen, ohne gleich ein Praktikum zu buchen: ein Vormittag echter Mitarbeit in einem sehr gastfreundlichen Rahmen. Festes Schuhwerk und etwas Grundkondition helfen, denn die vollen Eimer tragen sich im Hang spürbar.

Wer es konkret plant: Das Weingut lädt heute an den letzten beiden September-Wochenenden und am ersten Oktober-Wochenende zur Lese ein, jeweils Freitag bis Sonntag. Die Teilnahme kostet knapp 40 Euro pro Person, Sektempfang, Mittagessen samt Getränken und die abschließende Weinprobe eingeschlossen. Und wer deutsche Weinregionen lieber wandernd erkundet und beim Spätburgunder bleibt, findet im Bericht über [ein Wochenende an der Ahr mit Rotweinwanderweg](/reisen/ausflug-ahr-fine-dining-rotweinwanderweg/) ein Format, das sich ab Köln leichter spontan umsetzen lässt.

<div class="verdict-box">
  <strong>KORKLESE-Einordnung</strong>
  <p>Die Rebstock-Pächterlese beim Weingut Trenz ist ein seltener Zugang zu einem Weingut: Man erntet am Vormittag selbst, isst mittags zwischen den Reben, sieht danach den Keller und sitzt abends vor einem Menü, dessen Weinbegleitung aus genau diesen Lagen kommt. Als Geschenk funktioniert die Pacht doppelt gut: Die Urkunde ist der Anlass, der Erntetag das eigentliche Geschenk. Uns hat sie den Rheingau geöffnet.</p>
</div>
