# Nikolaus-Weinprobe 2025: Sieben Flaschen zwischen Champagne, Burgund und Bordeaux

> Private Nikolaus-Weinprobe mit Rare Champagne 2008, Puligny-Montrachet, Pommard, Pomerol, Châteauneuf-du-Pape und Sauternes. Was glänzte, was Zeit brauchte.

- Rubrik: Flaschen
- Autor: Tim Sotomayor
- Veröffentlicht: 2026-06-11
- Themen: Champagne, Burgund, Bordeaux, Wein und Essen
- Kanonische URL: https://korklese.de/flaschen/nikolaus-weinprobe-2025-champagne-burgund-bordeaux/

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Man kann einen Nikolausabend sehr vernünftig verbringen. Ein Teller Suppe, ein Glas Wein, vielleicht noch ein Stück Käse, früh ins Bett. Dieser Abend war nicht so einer.

Am 6. Dezember 2025 saßen Familie und gute Freunde am Tisch, und die Weinprobe war bewusst großzügig geplant: Champagne zum Start, zwei kräftige Weiße zur Vorspeise, Burgund und Bordeaux zum Beef Wellington, Châteauneuf-du-Pape zur Lamm-Tajine und Sauternes zum Schluss. Dazu kam eine Käsebegleitung, die ein Freund eigens auf die Weine abgestimmt hatte. Das war keine Probe, bei der man nüchtern nach dem besten Alltagswein sucht. Es war ein Abend für Flaschen, die man nicht nebenbei öffnet.

Gerade deshalb lohnt sich der Rückblick. Große Namen machen noch keinen großen Abend. Manche Flaschen brauchen mehr Luft als Geduld am Tisch vorhanden ist. Andere wirken auf dem Papier fast zu offensichtlich und treffen dann genau den Moment. Und manchmal steht ein gekorkter Wein zwischen zwei sehr guten Flaschen und erinnert daran, dass Wein bei aller Planung lebendig bleibt.

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  <strong>Kurz gesagt</strong>
  <ul>
    <li><strong>Anlass:</strong> Private Nikolaus-Weinprobe am 6. Dezember 2025 mit Familie und guten Freunden.</li>
    <li><strong>Stärkste Momente:</strong> Der Faiveley Puligny-Montrachet 1er Cru "Les Referts" 2019, der lange nachwirkende Château Clinet 2015 nach viel Luft und Vieux Télégraphe "La Crau" 2015 zur Lamm-Tajine.</li>
    <li><strong>Grenze des Abends:</strong> Bodegas Mengoba "La Grande Cuvée" 2016 war leider gekorkt; der Rare 2008 war sehr gut, aber kein rationales Preisargument.</li>
    <li><strong>Lehre:</strong> Bei großen Rotweinen genug Luft einplanen, bei gereiften Flaschen eine Reserveflasche bereithalten und die Käsebegleitung von Anfang an mitplanen.</li>
  </ul>
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## Der Rahmen: Die Reihenfolge trägt den Abend

Eine gute Weinprobe beginnt bei der Reihenfolge. Wer Champagne, Burgund, Bordeaux, südliche Rhône und Sauternes an einem Abend öffnet, braucht eine Dramaturgie, sonst wird aus Vorfreude schnell Aromenkollision.

Der Ablauf war klassisch gedacht: erst Schaumwein als Aperitif, dann Weißwein zur Vorspeise, danach Rotwein zur Hauptspeise, am Ende Süßwein. Dazu gab es Lachstatar, Maronen-Sherry-Suppe, Beef Wellington mit Rotkohl und Rotweinreduktion, Lamm-Tajine mit Trockenfrüchten, Käse und Crème brûlée. Die Reihenfolge hatte Sinn: Frische und Perlage vor der Suppe, Chardonnay mit Schmelz und Spannung zur cremigen Vorspeise, rote Struktur zum Fleisch, Süße zum Ende.

Wer so einen Abend plant, sollte weniger auf die Zahl der großen Etiketten schauen als auf die Frage: Welche Flasche bekommt einen fairen Moment? In Restaurants gilt etwas Ähnliches. Eine gute Karte liest man nach Fokus, Reife und Passung; dazu habe ich im Ratgeber zur [Weinkarte im Restaurant](/wissen/weinkarte-restaurant-souveraen-lesen/) mehr geschrieben. Zuhause hat man denselben Vorteil wie ein guter Sommelier: Man kann den Ablauf selbst bauen.

## Aperitif: Rare 2008 und die schwierige Preisfrage

Der Abend begann mit **Rare Champagne Millésime 2008** von Piper-Heidsieck, aus 70 Prozent Chardonnay und 30 Prozent Pinot Noir. Dazu gab es Lachstatar. Das war ein sehr feiner Auftakt: zurückhaltende Nase, Zitronenschale, getoastetes Brioche, feine Perlage, im Mund Zitrus, etwas Aprikose und ein langer Abgang.

Champagner ist als Aperitif oft deshalb so stark, weil er die Runde öffnet, ohne schon alles zu behaupten. Die Säure räumt auf, die Perlage macht wach, und beim Lachstatar funktionierte genau diese Verbindung aus Frische, Fett und leichter Salzigkeit. Der Rare 2008 kann das. Er kann außerdem noch etwas anderes: Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bevor er eingeschenkt ist. Die Flasche ist ein Objekt. Selbst leer wirkt sie, als hätte jemand sehr lange darüber nachgedacht, wie viel Gold eine Weinflasche verträgt.

Bleibt die Frage nach dem Preis. Ist der Wein 180 Euro wert? Das ist bei Prestige-Champagner selten die interessanteste Frage, weil die Antwort fast immer von Anlass, Neugier und Schmerzgrenze abhängt. Der Rare 2008 war eine tolle Erfahrung und ein schöner gemeinsamer Start. Als Flasche, die man öffnet, weil man genau diesen Abend markieren möchte, ergibt er Sinn. Als Empfehlung für Menschen, die möglichst viel Geschmack pro Euro suchen, taugt er wenig.

## Puligny-Montrachet: Der Wein, zu dem man zurückkehrt

Zur Maronen-Sherry-Suppe kam **Domaine Faiveley Puligny-Montrachet 1er Cru "Les Referts" 2019** ins Glas. Das war einer der stärksten Weine des Abends. Fruchtig, frisch, vollmundig. Apfel, Litschi, Zitrus, feine Vanilleanklänge, dazu diese kühle, mineralische Spannung, die guten weißen Burgund so faszinierend macht.

Der entscheidende Punkt war die Harmonie. Man konnte immer wieder zum Glas zurückkehren und fand etwas Neues, ohne dass der Wein seine Form verlor. Der Faiveley hatte Schmelz, aber auch Zug. Zur Suppe war das sehr stark, weil die cremige, leicht süßliche Marone einen Wein braucht, der genug Frische und Länge mitbringt.

Wer sich den Ortsnamen hinter solchen Flaschen einmal zu Fuß erschließen möchte, findet in meinem Reisebericht zur [Wanderung von Meursault nach Puligny-Montrachet](/reisen/meursault-puligny-montrachet-wanderung-burgund/) den passenden Gegenpol zum Tasting: weniger Glas, mehr Weg, aber dieselbe Frage nach Herkunft.

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    <img src="/images/nikolaus-weinprobe/faiveley-les-referts.jpg" alt="Domaine Faiveley Puligny-Montrachet Premier Cru Les Referts 2019 vor Weinkisten" width="900" height="1599" loading="lazy">
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  <figcaption>Der Faiveley "Les Referts" 2019 war der weiße Ruhepol des Abends: vielschichtig, lang und trotzdem klar genug für die Maronen-Sherry-Suppe.</figcaption>
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Direkt daneben stand **Bodegas Mengoba "La Grande Cuvée" 2016** aus Bierzo, ein Godello. Der Wein war leider gekorkt. Ein bisschen Bienenwachs, Zitrone und Aprikose kam noch durch, aber der Fehler war deutlich genug, um ihn nicht schönzureden. Das ist ärgerlich, gerade bei einer Flasche im Preisbereich von 79 Euro, aber es ist kein Charakterurteil über Winzer oder Händler. Echter Kork bringt dieses Risiko mit. An einem Abend mit mehreren großen Flaschen ist das leichter zu verkraften, aber es bleibt ein guter Grund, bei wichtigen Essen eine Reserveflasche einzuplanen.

## Pommard und Pomerol: Zwei große Rote, zwei verschiedene Aufgaben

Zum Beef Wellington mit Rotkohl und Rotweinreduktion standen zwei Rotweine auf dem Tisch: **Château de Pommard Clos Marey-Monge Monopole 2019** aus Pommard und **Château Clinet 2015** aus Pomerol. Die Zusätze [Clos und Monopole](/wissen/climat-clos-lieu-dit-monopole-burgund-etikett/) auf dem Etikett stehen dabei für eine ummauerte Lage im Alleinbesitz eines einzigen Erzeugers.

Der Pommard roch nach Kirsche, Himbeere und Rosenblättern. Im Mund kamen rote Früchte, Johannisbeere und eine würzige Note dazu. Er war vielschichtig, lang und hatte gut eingebundene Säure. Für Pinot Noir war das eine großzügige, ausladende Interpretation, ohne die Herkunft zu verlieren. Das mag ich sehr.

Zum Essen passte er allerdings etwas weniger gut, als ich es mir erhofft hatte. Beef Wellington mit Rotkohl und Reduktion bringt viel Umami, Süße, Würze und Fett mit. Der Pommard war für sich genommen eindrucksvoll, aber am Tisch musste er sich stärker behaupten, als ihm gut tat. Allein im Glas bekam er mehr Raum. Das ist eine der angenehmen, aber wichtigen Erkenntnisse solcher Abende: Der bessere Wein ist nicht automatisch das bessere Pairing.

Der **Château Clinet 2015** war anders gelagert. Ungewöhnlich für meine Erwartung an Pomerol stand zunächst Cassis sehr direkt im Vordergrund, dann Kirsche und Brombeere, dahinter Graphit, Gewürze und Tabak. Obwohl der Wein drei bis vier Stunden dekantiert war, wirkte er am Abend noch nicht vollständig geöffnet. Die eigentliche Überraschung kam danach: An den folgenden zwei bis drei Tagen, kühl gelagert, öffnete er sich deutlich weiter und blieb lange im Mund.

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    <img src="/images/nikolaus-weinprobe/chateau-clinet-2015.jpg" alt="Château Clinet Pomerol 2015 neben einer Karaffe" width="900" height="1490" loading="lazy">
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  <figcaption>Der Château Clinet 2015 brauchte mehr Zeit, als der Abend ihm geben konnte. Mit zusätzlicher Luft zeigte er deutlich mehr Tiefe und Länge.</figcaption>
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Das ist für Bordeaux eine nützliche Erinnerung: Manche Weine brauchen im Dekanter deutlich mehr Zeit. Wer einen strukturierten Pomerol zu einem aufwendigen Hauptgang öffnet, sollte entweder sehr früh dekantieren, eine zweite Karaffe nutzen oder akzeptieren, dass der Wein sich erst zeigt, wenn das Beef Wellington längst gegessen ist. Das ist vor allem eine Planungsfrage.

## La Crau zur Tajine: Warme Herkunft, passender Moment

Der Wein, der zum Essen vielleicht am selbstverständlichsten funktionierte, war **Domaine du Vieux Télégraphe "La Crau" 2015** aus Châteauneuf-du-Pape. Er kam zur Lamm-Tajine mit Trockenfrüchten auf den Tisch und traf den Ton des Gerichts sehr gut.

In der Nase lagen Pflaumen und Kirschen, aber anders als beim Pinot Noir: wärmer, reifer, würziger. Der Wein hatte etwas Beeriges, leicht Marmeladiges, schöne Tannine und genug Kraft, um mit Lamm, Gewürzen und Trockenfrucht mitzuhalten. In der Vorweihnachtszeit passte das fast zu gut. Das war ein Wein für einen Moment, in dem Wärme, Süße, Würze und Fleisch zusammenkommen.

Solche Paarungen wirken manchmal offensichtlich, und gerade deshalb funktionieren sie. Südliche Rhône, Grenache, Mourvèdre, Syrah, Lamm, getrocknete Früchte: Das ist ein gemeinsamer Geschmacksraum. Wenn der Wein reif genug ist und das Gericht nicht zu süß wird, kann daraus ein sehr ruhiger, stimmiger Gang werden.

## Käse nicht als Nachsatz behandeln

Besonders schön an diesem Abend war die Käsebegleitung. Ein Freund kannte die Weinauswahl vorher und hatte sich die Mühe gemacht, zu jedem Wein mindestens einen passenden Käse zu suchen. Käse kann einen Wein verlängern, verschieben oder auch gnadenlos unpassend wirken lassen.

Auf der Karte standen unter anderem Valençay, Brillat-Savarin, Livarot, Brie de Coulommiers, Roquefort, Tomme de Savoie und Comté 24 Monate. Die Idee dahinter war, Eigenschaften zu verbinden: Säure und Mineralität zu Ziegenkäse, buttrige Textur zu Puligny-Montrachet, Tannin und Würze zur Rhône, Restsüße zum Blauschimmelkäse.

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    <img src="/images/nikolaus-weinprobe/kaesekarte-weinprobe.jpg" alt="Käsekarte mit Weinbegleitung für die Nikolaus-Weinprobe" width="1400" height="664" loading="lazy">
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  <figcaption>Die Käsekarte war eine zweite Begleitung zum Abend: Jeder Wein bekam mindestens einen eigenen Käsepartner.</figcaption>
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Zum Schluss kam **Château Coutet 2010** aus Sauternes-Barsac zu Käse und Crème brûlée. Honig, Aprikose, Orangen- oder Mandarinenschale, dazu eine fast sirupartige Viskosität. Nach mehreren intensiven Weinen hätte ein Süßwein leicht untergehen können. Tat er nicht. Er stand in seiner eigenen Kategorie und machte den Abschluss runder.

## Was ich für die nächste große Weinprobe mitnehme

Erstens: Eine große Flasche braucht einen Platz im Ablauf und genug Luft. Beim Château Clinet hätte ich noch früher dekantieren oder den Wein bewusster als Langstreckenläufer behandeln können. Ein paar Stunden sind bei manchen Bordeaux nur der Anfang.

Zweitens: Ein gekorkter Wein ist kein Drama, wenn der Abend eine Reserve hat. Der Mengoba Godello hätte spannend werden können, aber an diesem Abend war er verloren. Bei wichtigen Proben gehört mindestens eine flexible Ersatzflasche dazu, idealerweise im ähnlichen Gewicht und passend zum Gang.

Drittens: Das beste Pairing war nicht automatisch der teuerste oder prominenteste Wein. Der Rare 2008 war ein starker Auftakt, der Faiveley der vielleicht kompletteste Weißwein, der Clinet mit Abstand der Wein mit dem längsten Nachhall. Aber die Lamm-Tajine mit Vieux Télégraphe war als Verbindung aus Essen und Wein besonders überzeugend.

Viertens: Käse lohnt Planung. Eine gute Käsebegleitung kann einen Abend strukturieren, statt nur die letzten Gläser zu begleiten. Gerade bei Sauternes, gereiftem Rotwein und kräftigem Chardonnay verdient Käse eine eigene Bühne.

Eine sommerlichere Variante derselben Idee steckt in der [Weinprobe bei Freunden mit Champagner, Burgund, Brunello und Sauternes](/flaschen/sommer-weinprobe-dinner-freunde-champagner-burgund-brunello/): weniger Winterküche, aber wieder mit bewusstem Ablauf und eigenem Käsegang.

Und fünftens: Große Weinabende leben von Menschen, nicht von Etiketten. Die Flaschen waren eindrucksvoll, keine Frage. Aber der Abend funktionierte, weil jemand gekocht, jemand Käse ausgewählt, jemand eingeschenkt, jemand probiert, jemand gefragt und jemand widersprochen hat. Solche Flaschen gehören an einen Tisch, an dem sie etwas auslösen.

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  <strong>KORKLESE-Einordnung</strong>
  <p>Die Nikolaus-Weinprobe 2025 war ein Beispiel dafür, wie große Flaschen sinnvoll an einen Abend gebunden werden können. Der Faiveley Puligny-Montrachet 2019 war der harmonischste Weißwein, Château Clinet 2015 der Wein mit der größten Entwicklung, Vieux Télégraphe "La Crau" 2015 das beste Essen-und-Wein-Paar. Der wichtigste praktische Hinweis bleibt: Luft, Reserveflasche und Käseplanung nicht unterschätzen.</p>
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